Und es verkauft sich doch

5. November 2008, 22:22
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Das 13. Artforum Berlin schloss mit zufriedenen Gesichtern

Berlin - Das 13. Artforum Berlin schloss am 3. November mit einem Besucherplus von acht Prozent pro Veranstaltungstag. Damit haben an vier Messetagen (Vorjahr fünf) etwa 38.000 Gäste die Messe besucht. Darunter viele, die womöglich nur zum "Krise-Schauen" angereist waren.

Und die wurden enttäuscht. Noch war von echtem Einbruch nichts zu spüren. Und wenn dann atmosphärisch, war doch so mancher Aussteller auch betreffend inhaltlicher Fragen spürbar gesprächiger, denn in Zeiten der stets gezückten Kreditkarten von Platin aufwärts oder der prall mit Scheinen gefüllten Koffer.

Aber: Diese Klientel hat das Berliner Artforum ohnehin noch nie bestimmt. Und mit Herbert Grönemeyer und Guido Westerwelle unter den Preview-Gästen ist Glamour auch nicht der entscheidende Faktor. Was eindeutig abzulesen war: Das Artforum ist nach langem Herumprobieren endgültig zu der deutschen Messe für Gegenwartskunst geworden. Und das scheint durchaus ausbaufähig. Mag der Markt derzeit noch so bewegt sein, Berlin ist ja doch eine der Traumdestinationen für Künstler, Museumsleute und Galeristen.

Viele Galeristen kamen mit wenig Erwartung und waren dennoch von Kauflust betroffen: Anita Beckers, Frankfurt, konnte so viel wie nie zuvor auf dem Artforum verkaufen. So fanden etwa Arbeiten von Yves Netzhammer und Bjørn Melhuss zu ihren Käufern.

Nina Menocal, Mexiko-Stadt, machte genauso wieEllen de Bruijne, Amsterdam, die Erfahrung, dass sich gute und kontinuierliche Verkäufe erst nach einer "Angewöhnungszeit" von fünf Messebeteiligungen einstellen. Für Peres Projects, Los Angeles / Berlin,ist vor allem die Bindung an Berlin durch eine Messe-teilnahme wichtig. Aus der Einzelpräsentation von Kirstine Roepstorff konnte die Galerie eine größere Skulptur verkaufen .

Sehr zufrieden ist Christopher Grimes aus Santa Monica: "This time it has been a success for us. We enjoyed meeting the collectors and we're sure, we'll keep coming back each year." Ähnlich erging es Gazonrouge, dem Senkrechtstarter aus Athen vom vergangenen Jahr. Und angeblich siebenmal hätte Erstteilnehmer Plan B aus Cluj, Rumänien, eine große Malerei von Adrian Ghenie verkaufen können.

Bei Kicken, Berlin, konnte aus allen Bereichen von Vintage bis zu den Zeitgenossen gut verkauft werden, etwa eine frühe, mehrteilige Arbeit von Bernd und Hilla Becher, die für 210.000 Euro an eine Privatsammlung in Deutschland verkauft werden konnte.

Zufriedenheit auch bei Contemporary Fine Arts, Berlin: Sieben Arbeiten von Daniel Richter konnten für 25.000 bis 40.000 Euro verkauft werden sowie mehrere Arbeiten zu 45.000 bis 65.000 Euro von Galerie-Neuzugang Georg Herold. (Markus Mittringer / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.11.2008)

 

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