"Drehscheibe der Immoeast"

5. November 2008, 19:02
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Justiz interessiert sich auch für Ibag-Rolle - Constantia-Fonds geschlossen

Wien - Das Geldringelspiel (900 bzw. 520 Mio. Euro) von Immoeast über Immofinanz Beteiligungs AG (Ibag) an konzernnahe Gesellschaften beschäftigt auch die Justiz. "Wir ermitteln", bestätigt die Staatsanwaltschaft Wien karg. Am Dienstag hat der Ibag-Aufsichtsrat wie berichtet offiziell bekannt gegeben, dass die Zahlung (von der die Ibag-Organe nichts wussten) von Ex-Constantia-Privatbank-Chef Karl Petrikovics in Auftrag gegeben wurde. Petrikovics war zu keiner Stellungnahme zu erreichen. Im Kreise von Christine de Castelbajac (ihr ist die Constantia Packaging B.V. zuzurechnen, die für die Riesenbeträge haftet) wird nun heftig geforscht und gesucht, auch undurchsichtige Immobiliengeschäfte der bei Bank, Immofinanz- und Immoeast involvierten Personen werden dabei unter die Lupe genommen.

Interessante Details bringt der Blick in diverse Bilanzen zu Tage: So ergibt sich aus der Bilanz der Immoeast (Ende April 2008), dass sie gegenüber der Immofinanz Corporate Finance Consulting GmbH rund 4,8 Mrd. Euro an Forderungen hatte (doppelt so viel wie im Jahr davor; die Gesellschaft gehört zu 100 Prozent der CPB) und gegenüber der Ibag 475 Mio. Euro. Erwähnt wird, dass die Ibag-Forderung im Jahr davor 350,5 Mio. Euro betragen hatten.

Aus der 2007er-Bilanz erschließt sich das freilich nicht, da ist nur die Forderung gegenüber der Immofinanz Corporate Finance Consulting (2,6 Mrd. Euro) erwähnt, nicht aber die Ibag.

In die Vorgänge Involvierte halten es für denkbar, dass die Ibag bei Ankäufen von Immoeast-Aktien eine Verschleierungsrolle gespielt hat (der Standard unterstellt damit niemandem strafrechtlich Relevantes). "Sie könnte beim Durchschleusen von Zahlungen für Immoeast-Aktien an konzernnahe Gesellschaften die Drehscheibe gewesen sein", wird das ausgedrückt.

Auch die Haftung der B.V. wird nun genauestens geprüft; an der B.V. hängen ja mehr als 90 Prozent der Constantia Packaging. Ein Blick in die 2007er-Bilanz des Verpackungskonzerns mit 8400 Mitarbeitern zeigt, dass die Verbindlichkeiten von 195 auf 424 Mio. Euro (davon 321 Mio. gegenüber verbundenen Unternehmen) gestiegen sind. Die Rückstellungen kletterten von acht auf 38,4 Millionen. 28 Millionen davon entfielen auf eine Kaufpreisbesserungsklausel mit der Amag, die zum Konzern dazugehört.

Parade-Fonds geschlossen

Im Zuge der allgemeinen Turbulenzen wurde auch ein Parade-Immobilien-Fonds, der Constantia Real Estate, geschlossen. Die Liquiditätsabflüsse sind zu groß geworden. Laut Informationen aus der Constantia wird es einige Wochen dauern, bis die Investoren wieder über ihr veranlagtes Kapital verfügen können. Der Fonds verwaltet mehr als eine Mrd. Euro und hat sich durch eine gute Performance (7,75 Prozent p. a. seit 2004) ausgezeichnet. In Deutschland haben die Probleme mit Fonds auch längst begonnen, vorige Woche wurden Immo-Fonds geschlossen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 06.11.2008)

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