Keine Rede von Zurückhaltung

5. November 2008, 18:45
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In die Hofburg sowie in die beiden Palais Ferstel und Niederösterreich locken derzeit zwei Messen: die Wiener Kunst und Antiquitätenmesse sowie die 40. Kunst und Antiquitätenmesse Hofburg

Wien - Abgesehen von den Austragungsorten ist wohl die Qualität des Angebotes das größte Unterscheidungsmerkmal. Weniger die der Gimmicks: Bei der Wikam gabs eine Trüffelmischung zur Vernissage, während man sich in der Hofburgtäglich mit einem Babylon-("More than a Nightclub" )-Energydrink stärken kann.

Freizügige Posen darf man allerdings nur bedingt erhoffen, auch wenn die teils verführerisch inszenierten Protagonisten höheren Sammleransprüchen gerecht werden.

Und das ist mehr, als man sich andernorts an die Fahnen heften darf. Nicht alles, was die Mitglieder des Verbandes Österreichischer Antiquitäten- und Kunsthändler im Rahmen der Wikam feilbieten, verdient wohl das Attribut messewürdig. Kaminverkleidungen samt artifiziellem Flammengezüngle, da könnte sich das Feuer der Begeisterung beim Fachpublikum in Grenzen halten.

Die redensartliche Kirche gilt es, angesichts anderer Präsentationen, im Dorf zu belassen. Eher bemüht zeigen sich die Sonderausstellungen - Mitmannsgruber mit einer Retrospektive zu Miklos Nemeth, Kunsthandel Widder mit einer Personale zu Karl Hauk -, wobei jene von Horst Szaal zu den absoluten Höhepunkten zählt, mit der von einer Monografie begleiteten Werkschau zu Franz Xaver Gruber. Solche Qualität hat ihren Preis, 60.000 Euro, und man darf eines der (wenigen) noch zum Verkauf stehenden Stillleben sein Eigen nennen.

Auch das Segment Möbel ist etwa bei Volkstümlichem gut bestückt, und Debütantin Monika Katzenmeyer macht hier eine ausnehmend gute Figur. Die erste Zwischenbilanz: Die Resonanz sei erfreulich und im Preissegment von 5000 bis 10.000 Euro mehren sich die Abschlüsse.

Quer durch alle Sparten ziehen sich auch die Verkaufserfolge in der Hofburg. Keine Rede von der im Vorfeld der 40. Messe befürchtete Zurückhaltung, eifrig zückten Besucher Kreditkarten und Bares. Keine Sorge, das Angebot ist alles andere als ausgedünnt, denn die auf 50 Teilnehmer aufgestockte Jubiläumsformation hat sich in Sachen Vielfalt und Umfang heuer wahrlich nicht lumpen lassen.

Ob der einhelligen Zufriedenheit wird sogar interner Zickenalarm milde belächelt. Zensur ortete ein Zeitgenosse aus dem Kreis der Konzett-Schützlinge, weil die für die geplante Performance notwendige Requisite in Form einer ausstaffierten mobilen Toilette nicht den Feuerschutzbestimmungen entsprach.

Hier dürfen nicht einmal Kinderwägen durch die Gänge geschoben werden, und also musste eine die historische Funktion der Hofburg auf die Schippe nehmende Prozession halt abgesagt werden. Wen kümmert's. Die wahren Aufreger sind hier von kunsthistorischer Beschaffenheit: neben exzeptionellen Beispielen französischer und süddeutscher Möbelkunst sowie Bildwerken aus mehreren Jahrhunderten aktuell etwa auch eine stattliche Sammlung an Eisenuhren bei Walter Moskats, Vorderzappler und Hinterpendler vom 16. bis zum 19. Jahrhundert zu Preisen von 5000 bis 45.000 Euro.

Und wer über kein Einkaufsbudget von 1,9 Millionen Euro verfügt, der sollte sich die Präsentation von Erstteilnehmer Westlicht nicht entgehen lassen: The Great Snow Owl aus dem Jahr 1957, ein einmaliges Dokument der Zusammenarbeit von Pablo Picasso mit dem Fotografen David Douglas. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.11.2008)

 

  • 1911-13 widmete sich Max Oppenheimer der Passion Christi. Eines
dieser raren Dokumente, "Die Geisselung" , steht bei Giese &
Schweiger im Angebot (580.000 Euro).
 
 
    foto: giese & schweiger

    1911-13 widmete sich Max Oppenheimer der Passion Christi. Eines dieser raren Dokumente, "Die Geisselung" , steht bei Giese & Schweiger im Angebot (580.000 Euro).

     

     

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