Zügeln gehört zur Reiterei

5. November 2008, 18:27
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Auftakt für Kinder, Rechenaufgabe für Veranstalter Nidetzky, der das tiefe Budget-Loch gerade noch einebnen konnte

Wien - Mit einem ganz auf Kinder zugeschnittenen Programm hebt am Donnerstag (16 Uhr) das 23. Fest der Pferde in der Wiener Stadthalle bei freiem Eintritt für die Kleinen an. Erwachsene sind an diesem Tag traditionell nur als zahlende Begleitpersonen geduldet. Auch die zur Verteilung kommenden 32.000 Schwedenbomben von Niemetz sind nicht für sie gedacht, weshalb bei voller Halle für jedes Kind vier Stück (theoretisch je zwei mit und ohne Kokosstreusel, insgesamt rund 280 Kalorien) abfallen sollten.

Die Leckereien sind natürlich ebenso gesponsert wie der Mercedes, an dem sich der Sieger des das Fest abschließenden Grand Prix am Montag erfreuen darf. Darüberhinaus ist die Zahl der Geldgeber und Sachleister beim Fest eher größer denn kleiner geworden. Dennoch musste Veranstalter Peter Nidetzky sparen. Der Hauptsponsor, die Bank des Fürstenhauses Liechtenstein (LGT), hat sich nach der Steueraffäre um die Tochter LGT Treuhand vom Fest der Pferde (aber noch nicht von der wesentlich teureren deutschen Riders Tour) zurückgezogen. Auch die Casinos Austria haben ihr Jahrzehnte währendes Sponsoring eingestellt, die Lotterien haben ihre Zuwendungen halbiert.

Gestopftes Loch

Mit neuen, kleineren Sponsoren und diversen Sparmaßnahmen, auch beim Personal, konnte Nidetzky, der allenfalls noch zwei weitere Pferdefeste in Wien organisieren und diesbezüglich mit 70 Jahren in Pension gehen will, das 150.000 Euro tiefe Budget-Loch gerade noch einebnen.

Expansionspläne zur Vergrößerung des Reitplatzes und des Logenbereichs sind jedenfalls vorerst ad acta gelegt. Die Aufwertung zu einem Fünf-Sterne-Turnier war schon für heuer angestrebt worden, ob sie sich noch in Nidetzkys Amtszeit ausgeht, ist offen. Nach Regulativ des Weltreitsportverbandes müsste das Preisgeld von 250.000 auf zumindest 500.000 Schweizer Franken (332.000 Euro) verdoppelt werden. Die Kosten für Unterbringung von Reitern und Pferden steigen ebenfalls. Allerdings bewegt sich Wien inklusive der Sachpreise schon in einer Prämienhöhe von 300.000 Euro.

Freilich könnte das Fest der Pferde auch ohne Aufwertung in Zukunft mehr Top-Reiter in die Stadthalle locken. Wegen der Verschiebung der Tennis-Trophy kann 2009 das Pferdefest später im November stattfinden und damit der Konkurrenz - dem Weltcup in Verona und dem Vier-Sterne-Turnier in Lüttich - ausweichen. (Sigi Lützow, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 6. November 2008)

 

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