Brasilien: Tierischer Artenvielfalt droht deutliche Verknappung

5. November 2008, 18:04
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Zahl der vom Aussterben bedrohten Tierarten seit Ende der 80er verdreifacht

Rio de Janeiro - Die Zahl der vom Aussterben bedrohten Tierarten ist in Brasilien dramatisch angestiegen. In den 15 Jahren zwischen 1989 und 2004 habe sich diese Zahl von 217 auf 627 erhöht und damit praktisch verdreifacht, teilte das Umweltministerium in Brasilia nach Medienberichten vom Mittwoch mit. In dem vom Ministerium jetzt veröffentlichten Bericht "Das Rote Buch der vom Aussterben bedrohten brasilianischen Fauna" befinden sich unter anderen der Amazonas-Manati (Trichechus inunguis), ein ständig im Wasser lebendes Säugetier aus der Familie der Seekühe, und eine im Land als "Jaguatirica" bekannte Unterart des Ozelots (Leopardus pardalis).

Der Anstieg der Zahl der bedrohten Tiere sei in erster Linie auf die wirtschaftlichen Entwicklung Brasiliens zurück zu führen, sagte Umweltminister Carlos Minc. Die Waldzerstörung, die Zunahme der Sojaplantagen und vor allem die Gier nach Gewinn seien die Hauptgründe. "Wir müssen diese Zahl wieder reduzieren, und zwar erheblich, aber dazu müssen alle zusammen arbeiten. Heulen allein nützt nichts. Unser Bericht ist ein Schlag ins Gesicht jener, die in unverantwortlicher Form produzieren", sagte der Minister.

Vor allem die Vögel sind in Brasilien vom Aussterben bedroht. Mit insgesamt 160 Arten haben sie einen Anteil von 25,5 Prozent in der Roten Liste des Ministeriums. Dahinter folgen die Fische (154 Arten), Insekten (96) und Säugetiere (69). Rund 60 Prozent aller bedrohten Tiere sind den Angaben zufolge im Gebiet des Atlantischen Küstenregenwaldes beheimatet, das bereits zu 92 Prozent zerstört worden sei. "In diesem Gebiet sind unsere größten Städte, unsere Häfen und Industrien, aber auch die Luftverschmutzung, die Industrieabgase und die Chemieabwässer", klagte Minc. (APA/dpa)

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