Trübsinn, mit einem Lächeln serviert

5. November 2008, 18:05
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Chefmelancholiker der elektronischen Musik: B. Fleischmann veröffentlicht "Angst Is Not A Weltanschauung"

Wien - Bernhard Fleischmann als trübe Tasse zu bezeichnen erschiene zumindest angesichts seiner Musik als nicht ganz unzulässig. Schließlich gilt er als Chefmelancholiker der elektronischen Musik. Und das bedeutet eher Schmollmund, tendenziell moll, ein bisserl kuscheln, ein wenig solipsistisch vor sich hinwursteln. Brutzeln. Einkochen.

Dass er das kann, beweist er seit 1999. Damals erschien sein Debüt Pop Loops For Breakfast. Thomas Morr, ein Mitarbeiter des deutschen Labels Hausmusik, war davon derart begeistert, dass er ein Label gründete: Morr Music. Dieses wuchs sich in den folgenden Jahren zu einer Art Kirche für menschelnd-elektronische Musik mit Pop-Appeal aus.

B. Fleischmann, so sein Alias, zählt zu jenen Musikern der elektronischen Schwemme der 90er, die interessant und gefragt geblieben sind. Neben Peter Rehberg, Christian Fennesz oder Patrick Pulsinger zählt Fleischmann zu den wenigen, die auch international reüssieren konnten. Nicht nur als vermeintlich trübe Tasse, sondern mit einer zu seiner Musik bestens passenden, sanften Freundlichkeit, einnehmendem Grinsen inklusive.

Neben diversen Seitenprojekten wie dem Duo 505 oder der Formation The Year Of hat der 1975 in Wien geborene Musiker sieben Soloalben veröffentlicht. Sein jüngstes, Angst Is Not A Weltanschauung, erscheint kommende Woche.

Darauf verabschiedet er sich weitgehend von seinen Anfängen, die er hauptsächlich solo mit Groove- und Beatbox bestritten hatte, und orientiert sich hin zu einem melancholischen Popentwurf, der an Größen wie John Cale erinnert. Den verehrte schon die heimische Band Aber Das Leben Lebt, deren früherer Sänger, Sweet William Van Ghost, einige Stücke mit vokaler Erhabenheit, mit Wehmut und nicht weniger als Schönheit veredelt. Ein Guter.

Fleischmann selbst bleibt eher maulfaul. Singen können andere. Besser sowieso. Etwa die Songwriterin Marilies Jagsch, die sich ebenfalls als dunkelbuntes Steinchen in Fleischmanns Pop-Kaleidoskop einbringt. Und mit Daniel Johnston konnte er sogar so etwas wie einen internationalen Superstar gewinnen - für die Kollaboration Phones, Machines And King Kong.

Der US-Amerikaner Johnston, ein nach einem eher schwierigen Start ins Leben psychisch labiles Genie, interpretiert höchst dramatisch die Geschichte von King Kong, die Fleischmann mit der ihm typischen Tonsetzerkunst in den elektronischen Märchenwald versetzt. Nichts weniger als ein kleines in einem großen Meisterwerk. (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.11.2008)

CD-Live-Präsentation: 29. 11., 1160 Wien, Ragnarhof, Grundsteing. 12. Mit Aber Das Leben Lebt, M. Jagsch u. S.W. Van Ghost. 20 Uhr

  • B. Fleischmann, ganz ernst: Melancholie kann so schön sein.
    foto: wz rec.

    B. Fleischmann, ganz ernst: Melancholie kann so schön sein.

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