Kartellvorwürfe gegen Zementhersteller

5. November 2008, 17:50
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Durchsuchungen in diversen Ländern - Geldbuße gegen Donauchemie-Konzern

Frankfurt/Brüssel/Wien - Zum dritten Mal in 14 Jahren steht die europäische Zementindustrie im Verdacht, gegen das Verbot von Kartellabsprachen verstoßen zu haben. Die EU-Kommission durchsuchte Büros faktisch aller großen Zementhersteller in Europa, wie die führenden Unternehmen der Branche am Dienstag bestätigten.

In Deutschland sind Marktführer HeidelbergCement und die Nummer zwei, Dyckerhoff, betroffen. Eine Dyckerhoff-Sprecherin bestätigte in Wiesbaden, dass es dabei um Kartellverstöße gegangen sei, sagte aber: "Wir sind ziemlich zuversichtlich, keine Verstöße begangen zu haben." HeidelbergCement-Chef Bernd Scheifele kündigte an, mit den Behörden zu kooperieren. "Meine persönliche Einschätzung ist, dass es um Zementimporte nach Großbritannien geht."
Dort hatte HeidelbergCement vor einem Jahr den Konkurrenten Hanson übernommen.

Die EU bestätigte die Durchsuchungen wegen Kartellverdachts, wollte aber weder die betroffene Unternehmen noch die genauen Vorwürfe nennen. Razzien gab es u.a. in Deutschland, Großbritannien und den Benelux-Staaten.

Schon 2003 hatte das deutsche Bundeskartellamt ein Bußgeld von 660 Mio. Euro gegen die Branche verhängt - damals das höchste Kartellbußgeld überhaupt. HeidelbergCement musste allein 252 Mio. Euro zahlen. Viele der Sünder waren damals Wiederholungstäter.

"Wiederholungstäter"

1994 hatte die EU Zementhersteller bestraft, weil sie den Markt unter sich aufgeteilt und illegal Information ausgetauscht hatten. Zement ist ein genormtes Produkt, so dass die Hersteller sich nicht über Qualität, sondern normalerweise nur über den Preis voneinander absetzen können.

Wie damals ist auch die französische Lafarge-Gruppe, zu der in Österreich der Baustofferzeuger Lafarge Perlmooser gehört, im Visier der Wettbewerbshüter. Die Lafarge-Gruppe ist heute die Nummer eins. In Österreich habe es keine Durchsuchungen gegeben. "Wir sind nicht betroffen" , sagte der Vertriebsdirektor von Lafarge Österreich, Erwin Platzer, dem STANDARD.

Im Visier der österreichischen Wettbewerbshüter ist in den vergangenen Monaten auch der Chemiegroßhandel gestanden. Über zwei Unternehmen des Donau Chemie-Konzerns, die Donau Chemie AG und die Donauchem GmbH mit Sitz in Wien, hat das Kartellgericht am Mittwoch auf Antrag und nach umfangreichen Ermittlungen der Bundeswettbewerbsbehörde eine Geldbuße in Höhe von 1,9 Millionen Euro verhängt. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Das Verfahren wurde im Dezember 2006 durch einen Kronzeugen, der ebenfalls am Kartell beteiligt war, wegen vollständiger Kooperation mit den Kartellbehörden aber Straffreiheit erhielt, in Gang gesetzt. Dabei geht es um Absprachen über die Aufteilung von Kunden in Kärnten, der Steiermark, dem südlichen Burgenland und Tirol seit den 1980er-Jahren. Es ging um Säuren, Laugen und Lösungsmittel. (stro, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 06.11.2008

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