Analyse: Mit 50 Staaten und dem Internet

5. November 2008, 17:38
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Den Wahlsieg verdankt Obama auch guten Beratern und der richtigen Strategie

In der Euphorie über den Wahlsieg Barack Obamas und dem Jubel der vielen Väter dieses Erfolges scheint ein Mann unterzugehen, der maßgeblich hinter den Kulissen zu dem Resultat beigetragen hat: Howard Dean, Vorsitzender des Democratic National Committee. Nicht nur hatte er schon bei seiner eigenen Kandidatur im Jahr 2004 von Anfang an das Internet als eine der wichtigsten Ressourcen des Wahlkampfes genutzt. Er bestand bei diesen Wahlen auch darauf, alle 50 Staaten einzubeziehen. Damit wich er von der Theorie ab, man müsse sich nur auf die "swing states" , bei denen keine Partei eine verlässliche Mehrheit hat, konzentrieren. Obamas Wahlkampfleiter David Axelrod und David Plouffe richteten sich danach - mit Erfolg.

Obamas innerparteiliche Rivalin Hillary Clinton war Dean von vornherein nicht sonderlich gewogen. Ihre Sympathie galt Deans Vorgänger Terry McAuliffe, der sich voll und ganz auf den "Super Tuesday" konzentrierte. An diesem Superwahltag in über 20 Bundesstaaten sollte, laut McAuliffes Analyse, eigentlich nur mehr die Krönung Hillarys als Präsidentschaftskandidatin stattfinden. Die ehemalige First Lady und ihr Team waren schlicht und einfach nicht darauf vorbereitet, nach jenem 5. Februar, an dem auch Obama kräftig punktete, weiter wahlkämpfen zu müssen.

In den Tagen vor der Präsidentenwahl und auch während der Wahlnacht gab es keinen republikanischen oder konservativen Kommentator - ganz abgesehen von den demokratischen oder liberalen -, der Obamas Team nicht höchstes Lob zollte: Der Wahlkampf wurde als tadellos, frei von Fehlern und als Musterbeispiel für zukünftige Wahlen bezeichnet. Auch die Taktik, sich trotz verschiedener Untergriffe vonseiten John McCains und Sarah Palins stets weiter um das Inhaltliche zu bemühen, trug Früchte.

Schon während der Vorwahlen hatte David Axelrod, der mit Barack Obama seit 1992 befreundet ist, hoffnungsvoll erklärt: "Das wäre etwas, worauf man den Rest seines Lebens stolz sein könnte." Er meinte damit die Wahl des ersten schwarzen US-Amerikaners ins Weiße Haus.

Sein Partner und Kollege David Plouffe (ausgesprochen: Plaff) war ein starker Befürworter der "50-Staaten-Strategie", wobei auch Staaten ohne Vorwahlen, in denen nur Wahlversammlungen stattfanden, einbezogen wurden. Ihm verdankt Obama auch die Disziplin im Wahlkampfteam, durch die unangenehme Überraschungen und "leaks" , also das Durchsickern von Informationen, weitgehend ausgeschlossen werden konnten.

Es wird noch darüber spekuliert, welche Rollen Axelrod und Plouffe in der Regierung Obama spielen werden. Eines sollte man dem neuen Präsidenten aber ins Stammbuch schreiben: Er würde gut daran tun, weiter auf seine Berater zu hören. (Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 6.11.2008)

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    Im Hintergrund, aber wichtig: Erfolgsstratege Howard Dean.

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