Obama sucht sich sein Kabinett

5. November 2008, 17:45
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Clinton-Boys, Vertraute und ein Schuss Republikaner: So könnte das Rezept für Barack Obamas Kabinett lauten - Viele bekannte Gesichter , Frauen sind kaum darunter

Am Morgen nach der Wahl beginnt der Übergang. "Transition phase" heißt die Zeit bis zur Amtseinführung am 20. Jänner, während der der neu gewählte Präsident so ziemlich alles vermasseln kann, was ihm zuvor während des langen Wahlkampfs gelungen war: zu laut oder zu zurückhaltend gegenüber dem noch amtierenden Präsidenten George W. Bush, der vielleicht so viele Entscheidungen wie möglich bei der Bewältigung der Finanzkrise oder bei den US-Truppen im Irak einbetonieren möchte. Zu langsam oder zu schnell bei der Wahl seiner Berater und Minister.

Obamas Kabinett ist schon seit Monaten Gegenstand von Spekulationen. Prominente Demokraten oder Vertraute, die sich im Wahlkampf verdient gemacht haben? Ein Kabinett der "super-liberalen Mehrheit" , mit der die stramm rechten Kommentatoren des Wall Street Journal schon ihre Leser gruseln machen, oder lieber eine Regierung mit ein paar republikanischen Gesichtern, weil der zusätzliche Sieg der Demokraten in Senat und Repräsentantenhaus vielleicht einen Teil der Amerikaner vom kommenden Mann im Weißen Haus entfremdet?

Es könnte von allem etwas sein, wenn man sich zum Beispiel auf die Aufstellung verlässt, die Mike Allen auf dem Washington-Insider -Magazin politico präsentiert. Der Demokrat Bill Richardson, Gouverneur in New Mexico, könnte neuer Außenminister werden, Larry Summers, ein anderes Schwergewicht aus den Clinton-Jahren, der nächste Finanzminister. Jim Steinberg, einer von Obamas außenpolitischen Beratern, gilt als Tipp für den Posten des Sicherheitsberaters - unter Bill Clinton war er die Nummer zwei in diesem Gremium.

Angebot an Republikaner

Doch Obama, so glaubt politico, bietet auch Republikanern, deren Erfahrung er schätzt oder deren Berufung symbolische Kraft hätte, Ämter an: So könnte Chuck Hagel, Senator aus Nebraska, das Pentagon übernehmen und Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger, seines umweltpolitischen Engagements wegen, das Energieministerium.

Die Ämterliste klingt plausibel, wenn man die Spekulationen über Obamas Regierung seit Jahresbeginn verfolgt. Joe Biden war einmal als Außenminister im Gespräch, doch noch bevor er dann Obamas Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten wurde, einigten sich Beobachter auf Bill Richardson. Der Clinton-Veteran war in den 1990er-Jahren UN-Botschafter, Emissär für heikle außenpolitische Gebiete wie etwa Nordkorea und zuletzt auch erfolgloser Anwärter bei den Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur. Als zweite Wahl nach Richardson werden John Kerry und der Republikaner Richard Lugar als denkbare künftige Außenminister genannt.

Auch der Republikaner Chuck Hagel, mit dem Obama vergangenen Juli auf Informationstour im Irak war, hält sich konstant seit Monaten als Kandidat für das Amt des Verteidigungsministers. Seine Ernennung wäre nicht überraschend: Auch Bill Clinton entschied sich mit William Cohen für einen Republikaner im Pentagon. Absehbar erscheint auch der Einzug von Obamas Wahlkampfstrategen David Axelrod, David Plouffe und Steve Hildebrand als Berater im Weißen Haus und Robert Gibbs als Sprecher. Susan Rice, eine andere außenpolitische Beraterin des neu gewählten Präsidenten, könnte UN-Botschafterin werden, der alte Haudegen und Ex-Senator Tom Daschle möglicherweise Stabschef im Weißen Haus.

Unter den Polit-Größen, die nichts werden, sieht man Hillary Clinton. "Blühe, wo du gepflanzt worden bist" , sagte sie; Clinton könnte die Nachfolge von Ted Kennedy anstreben und einflussreichste Demokratin im Senat werden. Colin Powell, der frühere Armeechef und Bush-Außenminister, der Obamas Kandidatur am Ende unterstützte, könnte hingegen Sondergesandter des neuen Präsidenten werden. Obama soll seinen Rat gesucht haben. (Markus Bernath/ DER STANDARD, Printausgabe, 06.11.2008)

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    Republikaner Schwarzenegger soll Energieminister werden.

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    Anwärter auf das Amt des Finanzministers: Larry Summers.

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    Bill Richardson könnte der nächste Außenminister werden.

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    Möglicher neuer Sicherheitsberater: Jim Steinberg.

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    Chuck Hagel, Republikaner, wird als Pentagon-Chef genannt.

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