Hannover Rück streicht Dividende

5. November 2008, 17:25
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Zeller: 2008 ist ein verlorenes Jahr

Hannover - Der weltweit viertgrößte Rückversicherer Hannover Rück will angesichts hoher Abschreibungen auf seine Kapitalanlagen die Dividende streichen. "Der Vorstand wird dem Aufsichtsrat vorschlagen, für 2008 keine Dividende zu zahlen", sagte Finanzvorstand Elke König am Mittwoch. Für das vierte Quartal erwarte Hannover Rück nur eine "schwarze Null".

Nach neun Monaten stand ein Fehlbetrag von 143 Mio. Euro zu Buche, so dass der Rückversicherer das Jahr wohl mit einem Verlust abschließen wird. "2008 ist ein verlorenes Jahr", bilanzierte Vorstandschef Wilhelm Zeller. Die Aktie gab fünf Prozent auf 19,67 Euro nach.

Im Oktober reduzierte Hannover Rück seinen Aktienbestand von zuletzt acht Prozent der gesamten 20 Milliarden Euro schweren Kapitalanlagen massiv und nahm dabei 200 Mio. Euro Verlust in Kauf. Weitere größere Abschreibungen seien nicht zu erwarten. Der Konzern habe faktisch keine Aktien mehr, sagte König. Für fast alle der verbliebenen zwei Prozent Aktienanlagen seien Kurssicherungsgeschäfte abgeschlossen worden.

"Bei einem nochmaligem Kursverlust von 30 Prozent würde die Belastung unter zehn Mio. Euro sein." König sieht daher weder Grund für eine Kapitalerhöhung noch für die Inanspruchnahme des Banken-Rettungspakets. "Wir haben für 2009 keinen Refinanzierungsbedarf", sagte sie. Bis Ende September schrieb Hannover Rück 355 Mio. Euro auf Aktien ab.

Den hannoverschen Konzern trifft die Finanzkrise ähnlich wie die Konkurrenz. Der zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re hatte am Dienstag seinen Aktienrückkauf nach einem deutlichen Verlust im dritten Quartal gestoppt. Branchenprimus Münchener Rück hatte sich vor kurzem wie die Hannover Rück von seinen Geschäftszielen für 2008 verabschiedet.

Harte Einschnitte

Trotz der harten Einschnitte können die Rückversicherer der Finanzkrise auch Positives abgewinnen. Die Erstversicherer müssen mehr Rückversicherungsschutz einkaufen, da ihr Kapital in der Krise zusammenschmilzt und sie weniger Risiken über ihren Selbstbehalt abdecken können. Hannover Rück rechnet mit einer deutlichen Steigerung der Prämien, die Versicherungen wie HUK Coburg oder AachenMünchener künftig für den Schutz vor übergroßen Risiken zahlen müssen.

"Wir gehen davon aus, dass es zu einer Verhärtung der Märkte kommen wird", sagte Vorstandschef Zeller. Bei den Rückversicherungstreffen in Baden-Baden und in den USA habe er positive Signale vernommen. Branchenexperten halten 2009 Aufschläge von deutlich mehr als drei Prozent für möglich. "Wir haben das Potenzial und den Appetit, zusätzliches Geschäft zu zeichnen", sagte Zeller.

An den Expansionsplänen will Hannover Rück festhalten. "Wir prüfen weiterhin Zukäufe im Bereich Lebens-Rückversicherung", sagte König. Die Marktverwerfungen könnten sogar zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, da manche Versicherer ihr Portfolio überprüfen und sich vom Lebens-Geschäft verabschieden könnten. (APA/Reuters)

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