Wahlsieg Obamas lässt Aktienmärkte kalt

5. November 2008, 17:12
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Börsen in den USA und Europa haben ihr Freudenfeuer vor der US-Wahl abgebrannt. Die Kurse rasselten erneut nach unten. Eine rasche Wende ist nicht in Sicht

Wien - Die erhoffte Obama-Euphorie ist nicht auf Europas Aktienmärkte übergesprungen. Auf den Wahlsieg der Demokraten folgten zum Teil kräftige Kursverluste. Der deutsche Index Dax verlor so am Mittwoch zwischenzeitlich mehr als zwei Prozent, im Verlauf des Nachmittags waren es immer noch ein Prozent. "Für rasche Trendumkehr wird Obama gewiss nicht sorgen" , urteilte Börsen-Beobachter Klaus Schrüfer von der SEB Bank.

Er sei dennoch genau das, was die Märkte jetzt brauchen, meinen andere Händler. Barack Obama sorge bei den derzeit rabenschwarzen Konjunkturdaten für etwas Zuversicht. Für Hoffnung sorge, dass sich die Wirtschaft während der Amtszeiten demokratischer US-Präsidenten signifikant besser entwickelt habe als unter Republikanern.

Im roten Bereich waren am Mittwoch auch der britische FTSE-100-Index und der französische CAC-40 mit im Verlauf minus 2,6 bzw. 2,7 Prozent. An der Wall Street sackte der Dow Jones bis 16.05 Uhr um 1,52 Prozent ab. Der S&P-500 Index sank um 1,30 Prozent, die Nasdaq reduzierte sich um 1,38 Prozent.

Wenig Erbauliches gab es zudem in Wien. Der ATX sank im Verlauf um 4,45 Prozent. Händler machten neben der miesen internationalen Stimmung Gewinnmitnahmen für die herben Kursverluste verantwortlich: Das Pulver sei verschossen nach den Aufschlägen vom Dienstagnachmittag. Die veröffentlichten Konjunkturdaten aus den USA fielen schwächer aus als erwartet. Die Entscheidung der US-Wähler zugunsten Obamas sei am Vortag "abgefeiert" worden.

Die größten Verluste für den Leitindex lieferte der Abschlag der OMV: Die Papiere brachen um 7,40 Prozent ein. Voestalpine fielen um 7,14 Prozent. AvW Invest legten nach dem Höhenflug der vergangenen Tage erneut den Rückwärtsgang ein. Die Papiere brachen um 35,38 Prozent ein und endeten auf dem letzten Platz des Kurszettels. Europaweit standen vor allem Ölaktien unter Druck. Der Ölpreis je Fass rasselte um mehr als zwei Dollar einmal mehr auf unter 70 Dollar.

In Fernost legten die Börsen am Mittwoch dagegen kräftig zu: Der japanische Nikkei-Index gewann 4,5 Prozent, und der Hang-Seng schoss um 3,2 Prozent in die Höhe. Asiens Investoren hoffen, dass Obama als neuer US-Präsident die wirtschaftspolitischen Probleme der USA in Angriff nehmen wird. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 06.11.2008)

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