FPÖ will ORF-Verbot für Stermann-Grissemann

5. November 2008, 16:48
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BZÖ-Scheuch: Kabarettisten "für Kärnten nicht tragbar" - Grüne: BZÖ "bereitet Boden für gewaltbereite rechtsextreme Obskuranten"

Die Absage des Kabarett-Auftritts von Dirk Stermann und Christoph Grissemann im Dezember an der Klagenfurter Universität schlägt auch einen Tag danach noch hohe Wellen. Während die Grünen und die IG AutorInnen am Mittwoch aufgrund zahlreicher Drohungen gegen die beiden Satiriker heftige Kritik am BZÖ und am Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler übten, legten die Rechts-Parteien sogar noch ein Schäufelchen nach. Das BZÖ bezeichnete die Aussagen des Duos als "für Kärnten nicht tragbar", die FPÖ forderte ein Auftrittsverbot im ORF. Die Kabarettisten hatten dem Tod Jörg Haiders und dessen Folgen in Kärnten in der ORF-Sendung "Willkommen Österreich" am 23. Oktober breiten Raum gewidmet.

Kritik von Grünen

"Wegen der vom BZÖ betriebenen Aufwiegelung rund um den Auftritt des Kabarettisten-Duos wird Kärnten einmal mehr ins Abseits gedrängt", sagte Rolf Holub, Landessprecher der Kärntner Grünen. Es sei bedenklich, wenn ein künstlerischer Auftritt und die Gedanken- und Redefreiheit offenbar nur mehr mit Personenschutz gewährleistet werden könne. "Es wird sehr gefährlich, wenn die Politik anfängt, in die Freiheit der Kunst und Kultur einzugreifen", meinte Holub. Von einem Landeshauptmann müsse man erwarten können, dass er verbindend wirke und nicht eine hetzerische Atmosphäre erzeuge. Dörfler bereite "den Boden für gewaltbereite rechtsextreme Obskuranten", erklärte auch der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl. Teile der Kärntner Bevölkerung seien zu einer Hasstirade ermuntert worden, deren Auswirkung nun die Absage der Veranstaltung gewesen sei.

"Inakzeptabel und für Kärnten nicht tragbar"

Das BZÖ kann die Kritik der Grünen nicht nachvollziehen. "Mit Redefreiheit und Hetzkampagne hat das nichts zu tun", erklärte Landeshauptmann-Stellvertreter Uwe Scheuch. Holub habe "anscheinend nicht verstanden, dass hier ein Anti-Kärnten-Programm gefahren wird". Die Aussagen von Stermann und Grissemann seien "inakzeptabel und für Kärnten nicht tragbar". Durch die Absage werde das Land "ins Abseits gedrängt", dabei hätte sich die ORF-Sendung in ihrer "Boshaftigkeit nicht nur gegen Jörg Haider gerichtet, sondern gegen die gesamte Kärntner Bevölkerung." Scheuch fordert demgemäß "Pietätsgrenzen für Kunst". Noch weiter geht die FPÖ, die eine "völlig inakzeptable Entgleisung der beiden Satire-Rabauken" sieht und im ORF "keinen Platz für eine derartige Kellerqualität des Kabaretts" ortet, sagte Generalsekretär Harald Vilimsky. Er schließe sich jedenfalls der Popularbeschwerde des BZÖ gegen den ORF an.

IG AutorInnen: "Kärntner Kulturabwehrkampf"

Die IG AutorInnen fürchtet angesichts der Absage und der heiß geführten Debatte nun noch schlimmere Auswirkungen. "Wann kommt es zu Einreiseverboten für unliebsame Künstler in Kärnten? Wann folgen Auftritts- und Berufsverbote und Ausweisungen, Auflösungen von Organisationen und von Veranstaltungen?", fragte IG-Chef Gerhard Ruiss in einer Aussendung. Einmal mehr habe der "Kärntner Kulturabwehrkampf, zuvor der FPÖ und nunmehr des BZÖ, für die Außerkraftsetzung der demokratischen Spielregeln und der gesetzlichen Grundlagen der Zweiten Demokratischen Republik" gesorgt. (APA)

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