ATX-Aufsichtsräte kommen im Schnitt auf 28.700 Euro pro Jahr

5. November 2008, 14:44
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Vorsitzenden-Gelder streuen zwischen 12.500 und 80.000 Euro im Jahr - Nur 6,5 Prozent Frauen-Quote und keine einzige AR-Chefin

Die Gesamtzahl der Aufsichtsräte in den 20 ATX-Unternehmen hat sich zwischen 2005 und 2007 um 12,5 Prozent verringert - von 248 auf 217. Deshalb habe es den starken Anstieg der durchschnittlichen Vergütung pro "Rat" um 18,3 Prozent auf 28.700 Euro gegeben, sagte der Österreich-Manager des Beraters Towers Perrin, Alfred Hochholdinger, am Mittwoch in einem Pressegespräch.

Die Vorsitzenden erhielten zuletzt mit 42.700 Euro um 7,0 Prozent mehr, die Stellvertreter mit 32.200 Euro um 8,8 Prozent mehr, und bei den übrigen Mitgliedern betrug der Anstieg 8,6 Prozent auf 21.500 Euro. Allerdings wurden vor allem die niedrigen Vergütungen angehoben, während sie im oberen Bereich vielfach unverändert blieben.

Deutsche verdienen mehr

AR-Vorsitzende von ATX-Unternehmen bekamen 2007 zwischen 12.500 und 80.000 Euro Gesamtvergütung im Jahr (ohne Sitzungsgelder), in Deutschland sind es bei den 30 DAX-Unternehmen zwischen 50.000 (Infineon) und knapp 600.000 Euro (Deutsche Bank). In Österreich verdiente ein AR-Chef 2007 - wie schon 2005 - im Schnitt 1,3-mal so viel wie sein Vize und doppelt so viel wie ein ordentliches Mitglied. Die Spanne zwischen best- und schlechtestbezahltem AR-Vorsitzenden im ATX hat sich von Faktor 15 auf Faktor 7 deutlich verringert.

Die Top-5 mit den höchsten Vergütungen unter den ATX-Unternehmen sind - in alphabetischer Reihenfolge: bwin, OMV, Raiffeisen International (RI), voestalpine, Wienerberger. Am wenigsten zahlen folgende fünf (unterstes Quartil): Andritz, Flughafen, Palfinger, Österreichische Post, Schoeller Bleckmann Oilfield (SBO). Nur 3 der 20, SBO, voest und Wienerberger, zahlen auch variable Vergütungen.

Transparenz

Towers-Perrin-Managing-Director Michael Kramarsch hofft, dass bereits kommendes Jahr die heimischen AR-Vergütungen auch im Detail genannt werden können, wie dies schon bei den Vorstandsgagen üblich ist. Der aktuelle Vorschlag zur Weiterentwicklung des Corporate Governance Kodex sieht nämlich einen individualisierten Ausweis der Aufsichts-Vergütungen zumindest als Empfehlung vor. Derzeit weisen nur Erste und Wienerberger pro Mitglied personalisierte Beträge aus, andere, wie etwa RI, begnügen sich mit Pauschalsummen.

Von den 217 heimischen ATX-"Räten" sind 152 Kapitalvertreter und 65 Arbeitnehmervertreter. Das Verhältnis beträgt damit 70:30 - obwohl es in Österreich hier eine Drittelparität gibt (in Deutschland die Hälfte). Nicht jedes Unternehmen habe einen Betriebsrat bzw. nicht immer seien sie im Aufsichtsgremium vertreten, so Hochholdinger.

Gremien sind kleiner

Im Schnitt haben sich die Gremien von früher bis zu 18 Mitgliedern auf nunmehr 10 bis 15 verringert - auch dies eine Empfehlung des Corporate Governance Kondex. Der Frauen-Anteil ist um 6,5 Prozent gestiegen, von 9 auf 14. Und die verdienen ebenso viel wie Männer, da die Vergütung geschlechtsneutral an der Funktion orientiert ist. Jedoch haben 13 der 20 ATX-Unternehmen keine Frau in dem Gremium, und es gibt dort keine einzige AR-Chefin. Von einer vorgeschriebenen Frauen-Quote hält Kramarsch aber nichts, solange der Frauen-Anteil auch in anderen Teilen der Karriere-Pipelines nicht höher sei.

Der Anteil von AR-Mitgliedern mit Auslandshintergrund hat sich auf Kapitalseite auf 12,5 Prozent oder 19 Personen knapp verdoppelt, wobei die Internationalisierung aber auf wenige ATX-Unternehmen begrenzt bleibt. Vertreten sind neun Briten, je zwei Vertreter aus Abu Dhabi, Deutschland und Schweden sowie je ein Vertreter aus Belgien, den USA, Kanada und Russland. "Diversity" sei jedenfalls "output-erhöhend", egal ob es um Auslands-Konnex oder Frauen-Repräsentanz gehe, so Towers-Perrin-Experte Kramarsch. (APA)

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