Im Keller ist es wohlig warm

5. November 2008, 14:23
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Sparen beim Heizen ist den Österreichern etwas wert, auf Komfort will man dabei nicht verzichten. Die Bemühungen tragen durch ineffiziente Nutzung bescheidene Früchte

Wien - Früher wurden die Erdäpfel im Keller gelagert. Obst und Gemüse hielten dort durchaus über den Winter, weil es in den Räumen kalt war. Heute ist das anders. Sauna, Party- und Wellnessräume gehören zur Ausstattung eines Ein- bis Zweifamilienhauses. Und die wollen auch geheizt werden, sagt Energieagentur-Chef Fritz Unterpertinger vor Journalisten in Wien. Gespart werde beim Heizen sehr wohl - im Endeffekt wird aber, was anderswo eingespart wird, zugunsten höheren Komforts auch wieder „verheizt".

Gemeinsam mit der Fachhochschule Wiener Neustadt wurden die Österreicher über ihre Motive, Erwartungen und Anforderungen in Sachen Heizen befragt. Klar ist, die hohen Energiepreise bewegten die Menschen, über ihre Heizmethoden nachzudenken. Über 60 Prozent nannten die hohen Ölpreise als Grund für den Umstieg auf ein anderes System. Wer wechselte, interessierte sich dabei hauptsächlich für die laufenden Betriebskosten. Förderungen werden zwar gekannt und in Anspruch genommen, Kauf entscheidend seien sie nicht, so Fachhochschulexpertin Siegrun Klug.

Sparen auf der Kostenseite

Nicht überraschend: Umgestiegen wird, wenn es gar nicht mehr anders geht - sprich, wenn der Heizkessel tatsächlich kaputt ist. Was die Menschen noch bewegt: Versorgungssicherheit aber auch Umweltfreundlichkeit interessieren. Nicht so sehr allerdings, dass man sich bei Behaglichkeit und Gemütlichkeit einschränken ließe: Beachtliche 61 Prozent der Befragten heizen - wie eingangs erwähnt - auch ihren Keller. „Gespart wird somit letztendlich nicht auf der Energie- sondern auf der Kostenseite", sagt Susanne Geissler von der Energieagentur.

„Es gibt das Bewusstsein für Energiesparen. Die Leute kaufen sich eine neue Heizung, wissen aber offenbar über die Energieeffizienz nicht Bescheid" ergänzt die Expertin für Gebäude und Raumwärme. In der Praxis bedeute dies, dass die alte Ölheizung noch laufe, während ein neues System parallel dazu mit erneuerbarer Energie gefüttert werde. „Das bedeutet die ineffiziente Nutzung effizienter Systeme". Die Einsparungen seien deswegen bescheiden - oder wie Geissler es ausdrückt „nicht so hoch wie möglich".

Beträchtliches Sparpotenzial

Pro Quadratmeter ist heute mit 120 kWh der Energieaufwand um einiges geringer als mit 200 kWh einige Jahre zuvor, das Sparpotenzial ist laut Fritz Unterpertinger noch beträchtlich: „Würden sämtliche Nachkriegsbauten bis zum Jahr 2020 thermisch saniert, könnte jeder betroffene Haushalt bis zu 75 Prozent der Heizungskosten oder rund 50 Euro im Monat einsparen." Den notwendigen Investitionsaufwand beziffert Susanne Geissler mit 200 bis 300 Euro pro Quadratmeter, rund 1,5 Millionen heimische Haushalte wären betroffen. Langfristig - so die Experten unisono - wäre wohl ein Austausch eines gesamten Heizungssystems plus Adaption der Gebäudehülle durch Dämmung am sinnvollsten.

Eine Mischung aus verpflichtender Energieberatung, die Abstellung der Förderungen auf Energieeffizienz, eventuelle Staffelung der Förderhöhe und steuerliches Eingreifen wären Maßnahmen, die die Experten als sinnvoll erachten würden. (rb)

 

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    Raumwärme "verschlingt" in Österreich immerhin rund 30 Prozent der Endenergie. Auch wenn das Interesse am eigenen Energieverbrauch so hoch ist, dass 50 Prozent darüber Aufzeichnungen führen, könnten langfristig noch 5 bis 10 Prozent des Energieverbrauchs eines Haushaltes eingespart werden.

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