"Katastrophales Spiel" in Bremen

5. November 2008, 14:29
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Katzenjammer bei Werder, das weiter auf den ersten Sieg warten muss - Allofs stärkt Schaaf den Rücken: "Ich weiß, was er trainiert, mit welcher Akribie er arbeitet"

Wien - Mit dem FC Barcelona (1:1 gegen den FC Basel) und Sporting Lissabon (1:0 gegen Schachtjor Donezk) haben sich in den Dienstagspielen der 4. Runde der Champions-League-Gruppenphase die ersten beiden Teams vorzeitig für das Achtelfinale qualifiziert. Während in der Gruppe D mit Atletico Madrid und Liverpool (1:1 im direkten Duell/beide 8 Punkte) zwei Teams unmittelbar vor dem Aufstieg stehen, ist in den Gruppen A und B, wo Werder Bremen mit Sebastian Prödl (bis zur Pause) zu Hause gegen Panathinaikos Athen (ohne Andreas Ivanschitz) eine 0:3-Schlappe kassierte, noch alles offen.

Barcelona (10 Punkte) bot zwei Wochen nach dem grandiosen 5:0-Auswärtssieg in Basel im Retourspiel der Gruppe C vor eigenem Publikum alles andere als Zauberfußball. Der Punktgewinn reichte den Katalanen, für die Joker Lionel Messi traf, aber trotzdem zum Weiterkommen in die nächste Runde. "Ich bin mit dem Unentschieden nicht zufrieden. Aber es ist erst November und wir haben uns bereits für das Achtelfinale qualifiziert. Das ist positiv", sagte Barca-Coach Josep Guardiola.

Die Stimmung in der Mannschaft des Primera-Division-Tabellenführers wurde allerdings durch die Verletzung von Andres Iniesta (Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel/voraussichtlich sechs Wochen Pause) sehr getrübt. "Andres ist sehr wichtig für uns, hoffentlich kommt er bald zurück", merkte Kapitän Carles Puyol an. Die tapfer kämpfenden Schweizer (1), für die mit Eren Derdiyok ebenfalls ein Wechselspieler traf und die in den ausstehenden beiden Partien mit Donezk (3) um Platz drei und den damit verbundenen Umstieg in den UEFA-Cup kämpfen, beendeten damit Barcas stolze Serie von elf Bewerbspiel-Siegen in Serie.

Neben den Katalanen schaffte auch Sporting (9) dank eines Derlei-Treffers als zweites Gruppe-C-Team den vorzeitigen Aufstieg. "Ich bin sehr happy, dass ist der Preis für die harte Arbeit meiner Spieler", lobte Sporting-Coach Paulo Bentom seine Truppe. Zufriedensein konnten auch Atletico Madrid und Liverpool, zumal nach dem 1:1-Remis im direkten Gruppe-D-Duell beide Teams nach wie vor klar auf Kurs in Richtung nächste Runde liegen. Maxi Rodriguez hatte die Spanier, die aufgrund des um einen Treffer besseren Torverhältnisses an der Tabellenspitze liegen, in der 37. Minute in Führung geschossen, Steven Gerrard gelang mit einem verwerteten umstrittenen Elfmeter in der Nachspielzeit aber noch der wichtige Ausgleich.

"Es war wichtig, nicht zu verlieren", wies Liverpool-Trainer Rafael Benitez hin. Atletico-Assistenz-Trainer Ignacio Ambriz sprach von "einem wichtigen Punkt". Olympique Marseille (3) hat trotz des 3:0-Heimsiegs gegen den von Huub Stevens betreuten PSV Eindhoven (3) genauso wie die Niederländer nur noch geringe Chancen auf den Aufstieg in das Achtelfinale. Marseille-Coach Eric Gerets betonte allerdings im Gegensatz zu Stevens ("Unser neues Ziel ist Platz drei"), noch nicht aufgeben zu wollen. "Oftmals passieren Überraschungen. Wir werden um unsere Chance kämpfen."

In der Gruppe B ist nach wie vor Rapid-Bezwinger Anorthosis Famagusta (5) nach einem 3:3-Heimremis gegen Inter Mailand (8) die große Überraschung und liegt auch nach der vierten Runde auf dem zweiten Aufstiegsrang. Die Italiener hatten es den Zyprioten allerdings mit haarsträubenden Eigenfehlern leicht gemacht.

"Es waren unglaubliche Eigenfehler, wir haben Geschenke verteilt, wie wenn schon Weihnachten wäre", kritisierte Inter-Coach Jose Mourinho seine Elf. Unabhängig davon sei aber die Tabellenführung eine "gute Sache". Das zypriotische Sensationsteam darf jedenfalls genauso auf den Aufstieg hoffen. "Das nächste Match gegen Werder Bremen zu Hause ist entscheidend", sagte Anorthosis-Trainer Temuri Ketsbaia.

Bei den weiter sieglosen Deutschen (3/ohne dem verletzten Martin Harnik) ist nach dem schwachen Meisterschaftsstart (Platz acht nach elf Runden) und der 0:3-Heimniederlage gegen "Pana" (4) Feuer am Dach. "Ein katastrophales Spiel. Ich kann mich an keine Partie erinnern, die wir so ohne Gegenwehr, ohne Mumm beendet haben", kritisierte Werder-Manager Klaus Allofs.

Während Allofs dem Trainer den Rücken stärkte ("Ich weiß, was er trainiert, mit welcher Akribie er arbeitet. Da sehe ich überhaupt keine Schuld und keine Veranlassung, über seine Position nachzudenken. Ich bin von seiner Arbeit absolut überzeugt") nahm er die Spieler in die Pflicht. "Wenn die Spieler einige Dinge in absehbarer Zeit nicht verstehen wollen, dann muss man sich von den Spielern trennen", so der Werder-Geschäftsführer.

Coach Schaaf, der den rechts in der Viererkette aufgebotenen Sebastian Prödl zur Pause austauschte, meinte zum Spiel: "Wir quälen uns. Wir sind brav nebenher gelaufen, anstatt anzugreifen und haben nur geschaut, bis der Ball im Netz war". Das Tabellenschlusslicht hat aber nach wir vor realistische Chancen weiterzukommen.

"Wir können noch etwas reißen, mit so einer Leistung allerdings nicht", merkte Schaaf an. Und Kapitän Frank Baumann ergänzte: "Jetzt muss sich jeder hinterfragen." Panathinaikos überzeugte hingegen ohne ÖFB-Teamkapitän Andreas Ivanschitz (Knieblessur) mit einer starken Offensivleistung und liegt einen Zähler hinter Famagusta auf Rang drei.

Am ausgeglichensten ist das Rennen um die zwei Achtelfinal-Tickets noch in der Gruppe A. Die mit einer 4-4-2-Formation angetretene AS Roma (6), die in der Meisterschaft sechs von neun Spielen verloren hat, schoss sich mit einem 3:1-Heimsieg gegen Chelsea (7) aus der Krise. "Das ist ein Resultat, das uns etwas Luft verschafft. Wir haben ein wichtiges Spiel völlig verdient gewonnen", freute sich der stark in der Kritik stehende Roma-Coach Luciano Spalletti.

Sein Gegenüber Luiz Felipe Scolari hatte unter anderem aufgrund der Effizienz von Roma-Doppeltorschütze Mirko Vucinic wenig Grund zum Lachen. "Wir haben nicht gut gespielt und in entscheidenden Phasen Fehler gemacht", ärgerte sich der Brasilianer. Den Aufstieg seiner Mannschaft zweifelt Scolari nicht an, wie er betonte. "Wenn wir noch ein Spiel gewinnen, sind wir in der nächsten Runde und wir werden sicher zehn Punkte machen."

Girondins Bordeaux (6) zog mit einem 2:1-Erfolg bei CFR Cluj (4) an den Rumänen vorbei. "Wir haben unser Ziel, zu gewinnen, erreicht", sagte Bordeaux-Coach Laurent Blanc. Cluj-Trainer Maurizio Trombetta trauerte vor allem den vergebenen Chancen nach. "Die haben uns zumindest ein Unentschieden gekostet", so der Coach der Rumänen.(APA/Reuters)

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    Werder-Goalie Wiese muss schon wieder hinter sich greifen.

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