Wie (Um-)Lernen im Gehirn abläuft

5. November 2008, 13:56
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Grazer Forschergruppe "Neuronale Plastizität und Reparatur" präsentiert Ergebnisse in der "Langen Nacht der Forschung"

Graz - Nach einem Schlaganfall ist vieles anders: Halbseitige Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen sind die häufigsten Folgen. Die Unterbrechung der Blutzufuhr zum Gehirn geht nämlich mit Gewebeschäden und in weiterer Folge mit dem Funktionsausfall gewisser Hirnareale einher. Selbst wenn Gehirnregionen zerstört sind, können jedoch deren Funktionen oftmals wiederhergestellt werden: "Das Gehirn ist fähig, sich selbst zu helfen, neue Situationen zu meistern und zerstörte Funktionen auszugleichen", so Christian Enzinger. Eine Forschergruppe rund um Christian Enzinger und Stefan Ropele von der Uniklinik für Neurologie an der Medizinischen Universität in Graz ist den Lern- und Umlernprozessen, die dabei im Gehirn ablaufen, mittels funktioneller Magnetresonanztherapie (f-MRT) auf der Spur.

Was geschieht konkret im Gehirn während des "Erholungsprozesses"? Auf welche Weise und in welchem Ausmaß gesunde Gehirnareale die Funktionen der geschädigten Gebiete übernehmen können, will die Grazer Arbeitsgruppe "Neuronale Plastizität und Reparatur" mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie herausfinden.

Beobachtung und visuelle Darstellung

"Mit der f-MRT können wir das Gehirn quasi 'bei der Arbeit' beobachten, ohne dass der menschliche Körper einer ionisierenden Strahlenbelastung ausgesetzt wird", schildert Enzinger. Gesteigerte neuronale Aktivität - etwa zur Bewältigung einer motorischen oder geistigen Aufgabe - führt im Gehirn zu einer Zunahme des Blutflusses. Die Änderung der Durchblutung lässt sich mit der f-MRT darstellen. Mit dieser Untersuchungsmethode können - nach komplexen Datenauswertungen - sowohl die unterschiedlichen Leistungen von gesunden und beeinträchtigten Gehirnen als auch mögliche Auswirkungen von Trainingsmaßnahmen visuell dargestellt werden.

"Wir wollen die Mechanismen der funktionellen Wiederherstellung nach Schädigungen des Nervensystems besser ergründen", so Enzinger. Gleichzeitig sollen auch Auswirkungen neurorehabilitativer oder medikamentöser Maßnahmen evaluiert und entsprechend verbessert werden. Mittelfristig will man neurobiologisch fundierte Trainingstechniken und neue Therapieansätze zur Förderung neuronaler Plastizität und Reparatur entwickeln. Letztlich sollte es möglich werden, die f-MRT zur Beurteilung der individuellen Erfolgschancen einer Behandlung, aber auch für Aussagen zu deren optimaler Intensität und Dauer heranzuziehen.

Präsentation

Mit einem Vortrag unter dem Titel "Ein Fenster ins Gehirn" um 18.30 Uhr und einer anschließenden Führung werden Christian Enzinger und Stefan Ropele in der "Langen Nacht der Forschung" am Samstag (8. November) an der Medizinischen Universität in Graz zeigen, wie durch das f-MRT die Funktionen des Gehirns besser verstanden, und die Behandlung neurologischer Erkrankungen verbessert werden kann. (APA)

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