ATX-Aufsichtsräte international billig

5. November 2008, 17:08
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Einer Studie zufolge geht der Trend vom Nebenjob zur anspruchsvollen Profi-Tätigkeit. Österreich sei "noch nicht in dieser Liga angekommen"

Wien - Die Aufsichtsräte der heimischen börsennotierten Unternehmen haben im Vorjahr mehr verdient. Um 4,4 Millionen Euro (oder sieben Prozent) sind die Vergütungen 2007 (im Vergleich zu 2005) gestiegen, zeigt eine Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin. Im Schnitt hat ein Aufsichtsrat eines ATX-Unternehmens 28.700 Euro kassiert.

Die höchste Vergütung für einen Aufsichtsratsvorsitzenden in einem ATX-Unternehmen gibt Towers Perrin mit rund 80.000 Euro an, die niedrigste mit 12.500 Euro. Die Namen der jeweiligen Unternehmen wurden jedoch nicht genannt. Nur so viel: Am besten verdienen die Aufsichtsräte - in alphabetischer Reihenfolge - bei Bwin, OMV, Raiffeisen International, Voestalpine und Wienerberger. Am wenigsten bekommt dieses Gremium bei Andritz, Flughafen Wien, Palfinger, der österreichischen Post und bei Schoeller-Bleckmann.

Die Vergütungen hierzulande würden die Rolle als oberster Kontrolleur im Auftrag der Aktionäre sowie als strategischer Partner des Unternehmens allerdings nicht widerspiegeln, heißt es in der Studie.

Keine "Aufsichtsrats-Kaiser"

International ist das Salär der österreichischen Aufseher aber recht bescheiden. In Deutschland bekommt der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank mit 500.000 bis 650.000 Euro am meisten, bei Infineon gibt es am wenigsten zu holen - aber immerhin noch 50.000 Euro. Im Schnitt zahlen die Dax-Unternehmen ihren Aufsichtsrats-Chefs 138.000 Euro an fester Vergütung im Jahr, zuzüglich stark erfolgsabhängiger Tantiemen seien es rund 210.000 bis 280.000 Euro, im Schnitt knapp 260.000 Euro.

"Aufsichtsrats-Kaiser" mit einer Vielzahl von Funktionen gebe es bei den 20 ATX-Unternehmen nicht mehr, dem stehe schon der Corporate-Governance-Kodex entgegen - doch zeichne sich auch bei den heimischen Räten ein Wandel ab, der international schon im Gange sei, erklärt Michael Kramarsch, Managing Director von Tower Perrin. Die Funktion entwickle sich von einem Nebenjob zu einer professionellen Tätigkeit. Aber: "Österreich ist noch nicht wirklich in dieser Liga angekommen."

Zeit des "Abnickens" ist vorbei

Die Zeit, in der Aufsichtsorgane viermal im Jahr Tischvorlagen abgenickt, gemeinsam gegessen und dann wieder auseinandergegangen seien, sei vorbei. "Das ist eine sehr, sehr intensive Tätigkeit geworden - bei großen Unternehmen im Ausland kostet die Aufgabe den Aufsichtsratsvorsitzenden im Schnitt eineinhalb Tage Arbeit pro Woche" , sagt Kramarsch. Entsprechend höher sei dort auch die Vergütung, die das Aufgabenbündel reflektieren müsse. (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 06.11.2008)

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