Österreichs Autostatistik bleibt auch in der Krise schön

5. November 2008, 18:09
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Kurzzulassungen stiegen - Probleme der Zulieferer

Wien - Aus der Autoindustrie und vom US-Fahrzeugmarkt kommen dieser Tage regelmäßig Horrormeldungen, die österreichische Zulassungsstatistik von neuen Personenautos zeigt sich - vorerst - davon unbeeindruckt. Brancheninsider erwarten in den Oktoberzahlen (werden von Statistik Austria kommende Woche veröffentlicht) ein deutliches Plus im Vergleich zum Vorjahr, auch die kumulierten Zahlen für Jänner bis Oktober 2008 dürften einen Zuwachs anzeigen.

Bis September wurden in Österreich 231.541 Pkw erstmals mit einem polizeilichen Kennzeichen versehen - trotz hoher Spritpreise im Sommer (die jetzt wieder etwas nachgegeben haben), neuer Steuern auf den CO2-Ausstoß sowie die allgemeine Verunsicherung durch die Finanzkrise um knapp 0,3 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Freilich darf man in der Statistik nicht alles für bare Münze nehmen: Denn die Praxis, Autos für kurze Zeit an- und wieder abzumelden ("Kurzzulassungen") feiert fröhliche 'Urständ'. Jede Anmeldung scheint in der Statistik als "Neuzulassung" auf. Dahinter können Vorführwagen bei Händlern stehen, aber auch solche Wagen, die nach der Anmeldung sofort, nachdem sie die heimische Statistik geschönt haben, ins Ausland als Gebrauchtwagen verkauft werden.

Bis September waren laut dem Branchendienstleister EurotaxGlass's 12.642 Autos nur sieben Tage lang angemeldet, das entspricht fast sechs Prozent aller Registrierungen. Maximal 30 Tage lang angemeldet waren insgesamt 30.285 Autos, also 13 Prozent. Vor einem Jahr war diese Zahl noch um rund 2000 niedriger. In der Branche weist man darauf hin, dass die Modellpaletten vielfältiger geworden seien, was eine höhere Zahl von Vorführwagen bedinge. Die Zunahme der Kurzzulassungen um sieben Prozent bedeutet aber auch, dass mehr Händler zur Kosmetik greifen, um ihre Jahresbonifikationen zu bekommen.

Der Autohandel steht seit Jahren unter Druck, vor allem aufgrund der Überkapazitäten bei den Herstellerwerken, die derzeit - schmerzhaft für die Belegschaften - abgebaut werden müssen. Mehr Insolvenzen im Handel kann aber beispielsweise der Kreditschutzverband noch nicht feststellen, doch der Abschwung soll ja erst 2009 einsetzen.

Licht und Schatten in OÖ

Die Autozulieferer spüren die Krise wie berichtet schon früher. Am Mittwoch musste der oberösterreichische Polytec-Konzern seine Gewinnprognose für das laufende Jahr revidieren. Im dritten Quartal ist der Gewinn um fast 90 Prozent eingebrochen. Auch ein Personalabbau steht im Raum: Man wisse derzeit nicht, "ob dem produktionsseitigen Rückgang allein mit dem Abbau von Leihpersonal und Überstundenkonten entgegengewirkt werden kann".

Aus dem oberösterreichischen Raum kommen aber auch gute Nachrichten: Der Flugzeugzulieferer FACC braucht 100 neue Mitarbeiter für einen Auftrag von Airbus über Landeklappenträgerverkleidungen. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 06.11.2008)

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