Siemens' PC-Sparte ist Geschichte

5. November 2008, 08:43
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In Deutschland geht ein Kapitel Industriegeschichte zu Ende: Siemens verkauft seine Anteile am PC-Hersteller Fujitsu-Siemens. Was aus den Arbeitsplätzen wird, ist offen

Als die deutsche Siemens 1999 mit der japanischen Fujitsu-die Computerehe einging, trat der damalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer der Mutmaßung entgegen, das geschlossene Bündnis könne einen ersten Schritt hin zum Ausstieg des Konzerns aus dem Computergeschäft markieren. "Es ist keine Ausstiegsstrategie von Siemens, es ist ganz das Gegenteil", versicherte er seinerzeit. Peter Löscher, seit Mai 2007 an der Spitze des Elektrokonzerns, hat diesen Schritt nun knapp zehn Jahre später vollzogen: Er verkauft den 50-Prozent-Anteil des ihm zu renditeschwachen Gemeinschaftsunternehmens an den japanischen Partner für 450 Millionen Euro.

Größter Computerhersteller

Anders als bei der defizitären Siemens-Handy-Sparte, die vor dem Verkauf an die taiwanische Benq noch einmal mit mehreren hundert Millionen Euro aufgemöbelt worden war, soll laut Unternehmenssprecher bei dem Deal ein Buchgewinn von 350 Mio. Euro rausschauen. Das Closing des Geschäfts ist für den 1. April 2009 geplant. FSC ist (noch) Europas größter Computerhersteller und der letzte bedeutende deutsche Computerproduzent. Von den weltweit 10.500 Beschäftigten arbeiten rund 6200 Menschen in Deutschland, zu den wichtigsten Standorten gehören die Werke in Augsburg und Sömmerda. Das deutsch-japanische Unternehmen erwirtschaftete im Vorjahr einen Umsatz von 6,6 Mrd. Euro und einen Vorsteuergewinn von 105 Millionen Euro. Dass das Unternehmen von Anfang an ums Überleben kämpfte, liegt unter anderem an einer kleinen Klausel im "Ehevertrag": Beim Zusammenschluss war vereinbart worden, dass FSC nur in Europa, im Nahen Osten und in Afrika verkaufen darf.

Der Rest der Welt

Im Rest der Welt tut dies Fujitsu - mit eigenen Computerprodukten. Um mit den Konkurrenten aus Asien und Amerika mitzuhalten, fehlte stets die Masse. Das Schicksal der Siemens-Handysparte ist noch in guter Erinnerungen - Benq Mobile ging Ende 2006, ein Jahr nach der Übernahme, pleite, die Werke in Deutschland wurden geschlossen -, fürchten die deutschen Mitarbeiter nun um ihre Arbeitsplätze. Zwar gebe es noch keine Entscheidung, "im Zuge der Neuausrichtung kann ein Stellenabbau nicht explizit ausgeschlossen werden", ließ ein FSC-Sprecher bereits durchblicken. Experten glauben, dass sich das Unternehmen aus dem umkämpften europäischen Privatkundenmarkt (der Verkauf von Notebooks und PCs an Privatkunden macht derzeit rund 20 Prozent des FSC-Geschäfts aus) zurückziehen könnte, wo FSC stetig Boden verloren hat. Der Wegfall von 1000 Jobs, die Hälfte im Inland, sei realistisch, meinte ein Insider.

260 Mitarbeiter in Österreich

In Österreich beschäftigt das Unternehmen derzeit rund 260 Mitarbeiter. Fujitsu Siemens könnte sich also nach einer vollständigen Übernahme durch die Japaner nur noch auf den Vertrieb von Computern für Geschäftskunden beschränken. Deutsches Know-how scheint den Japanern aber zumindest in der Forschung weiterhin erwünscht zu sein. Sein Haus erwäge, Teile der eigenen Forschung in Deutschland zu betreiben, sagte Fujitsu-Chef Kuniaki Nozoe.(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 5.11.2008) 

  • Das deutsch-japanische Gemeinschaftsunternehmen Fujitsu-Siemens ist mit dem Verkauf der Siemens-Anteile bald Geschichte.
    montage: der standard/otto beigelbeck

    Das deutsch-japanische Gemeinschaftsunternehmen Fujitsu-Siemens ist mit dem Verkauf der Siemens-Anteile bald Geschichte.

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