Reaktionen: Iran begrüßt Obamas Sieg

5. November 2008, 15:31
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Wünsche aus aller Welt: Sarkozy gratuliert als Erster: "Glänzender Sieg" - Bush: "Alles Gute und genießen Sie es" - Barroso gratuliert im Namen der Kommission

Paris/Washington/Brüssel/Berlin/Teheran - Der Iran hat die Wahl Barack Obamas zum neuen US-Präsidenten als Triumph über die Politik von Amtsinhaber George W. Bush gewertet. Die amtliche Nachrichtenagentur IRNA zitierte am Mittwoch den prominenten Abgeordneten Gholam Ali Haddad Adel mit den Worten, Obamas Sieg zeige, dass die Amerikaner von Bush und dessen republikanischer Partei genug hätten. Die staatliche Zeitung "Iran" schrieb, der Wahlsieg Obamas stelle Bushs Unilateralismus und die Kriege im Irak und in Afghanistan als Desaster bloß.

Der französische Präsident und EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy hat am Mittwoch dem Sieger der amerikanischen Präsidentenwahl Barack Obama gratuliert. Es sei ein "glänzender Sieg" gewesen, heißt es in einem Brief Sarkozys an den demokratischen Politiker. Der französische Präsident übermittelte seinem künftigen Amtskollegen seine herzlichsten Glückwünsche im Namen des gesamten französischen Volkes. "Ihr glanzvoller Sieg ist der Lohn für ein unablässiges Engagement im Dienste des amerikanischen Volkes", so Sarkozy. Durch die Wahl Obamas habe sich Amerika für den Wandel, die Öffnung und den Optimismus entschieden. Angesichts der Spannungen in der Welt und den Zweifeln hat das amerikanische Volk seinen Glauben an den Fortschritt und an die Zukunft unter Beweis gestellt. Der französische Außenminister Bernard Kouchner betonte, Frankreich und Europa bräuchten die Tatkraft Obamas und seinen Willen, für die Errichtung einer gerechteren Welt vorwärtszuschreiten. Kouchner wünschte Obama den größtmöglichen Erfolg als Präsident.

"Das amerikanische Volk hat gesprochen und es hat klar gesprochen", resümierte der unterlegene Konkurrent John McCain. Der 72-Jährige erinnerte an die Meinungsverschiedenheiten im Wahlkampf und rief zugleich seine Anhänger auf, dem nächsten Präsidenten mit "gutem Willen" gegenüberzustehen.

Medwedew hofft auf Dialog

Die russische Präsident Dmitri Medwedew (43) hat Barack Obama (47) mit einem Telegramm zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl beglückwünscht und ihm die Zusammenarbeit angeboten. "Ich hoffe auf einen konstruktiven Dialog mit Ihnen auf Grundlage von Vertrauen und Rücksicht auf die gegenseitigen Interessen", hieß es in dem vom Kreml am Mittwoch veröffentlichten Schreiben.

"Die russisch-amerikanischen Beziehungen gelten traditionell als Faktor der Stabilität in der Welt. Sie haben eine große Bedeutung und manchmal eine Schlüsselrolle bei der Lösung vieler internationaler und regionaler Probleme", stellte Medwedew in dem Schreiben fest.

Bei der Zusammenarbeit beider Länder gebe es allerdings noch Potenzial. "Es ist noch mehr zu tun für das Wohl der Bevölkerung unserer Länder und für die Festigung des internationalen Friedens und der Sicherheit", hieß es in dem Telegramm. Bei seiner Rede an die Nation am Mittwoch hatte Medwedew den Ausgang der Wahl in den USA demonstrativ ausgespart. Er gab der scheidenden US-Regierung allerdings die Schuld an der weltweiten Finanzkrise sowie am Krieg im Südkaukasus.

Bush gratuliert

Der scheidende US-Präsident George W. Bush hat dem Sieger der Präsidentschaftswahlen, Barack Obama, telefonisch zum Wahlsieg gratuliert. "Was für eine tolle Nacht ist das für Sie, Ihre Familie und Ihre Unterstützer", sagte Bush zu seinem Nachfolger im Weißen Haus. Bush versprach dem Demokraten Obama einen reibungslosen Machtwechsel. Bushs Sprecherin Dana Perino teilte mit, der Präsident habe Obama weiters gesagt: "Sie werden eine der größten Reisen Ihres Lebens antreten. Alles Gute und genießen Sie es".

Nelson Mandela gratuliert

Südafrikas Ex-Präsident und Friedens-Nobelpreisträger Nelson Mandela (90) hat dem designierten US- Präsidenten Barack Obama zum Wahlsieg Kraft und Stärke für seine Amtszeit gewünscht. Mandela, der in der Vergangenheit die US-Regierung wegen ihrer Irak-Politik gerügt hatte, meinte in einem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben an Obama: "Ihr Sieg hat gezeigt, dass es niemandem auf der Welt verwehrt sein sollte davon zu träumen, die Welt in einen besseren Platz zu verwandeln".

Zuvor hatte bereits Südafrikas Präsident Kgalema Motlanthe in einem Glückwunsch-Telegramm an Obama erklärt: "Ihr Sieg in dieses hohe Amt bringt Hoffnung für Millionen Ihrer Landsleute sowie für Millionen Menschen afrikanischer Abstammung sowohl in Afrika wie in der Diaspora mit sich".

Barroso gratuliert in Namen der EU-Kommission

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat Senator Barack Obama zur gewonnenen Präsidentschaftswahl in den USA gratuliert. "Im Namen der Europäischen Kommission und in meinem eigenen Namen möchte ich Senator Obama zur Wahl zum 44. US- Präsidenten gratulieren", hieß es in einer Mitteilung. Es sei Zeit für Europa und die Vereinigten Staaten, wieder enger zusammenzurücken. Die derzeitige Krise sei auch eine Chance für eine neue Welt zum Wohl der Gesellschaft.

Merkel lädt Obama ein

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dem künftigen US-Präsidenten Barack Obama zum Wahlsieg gratuliert. Sie sicherte ihm eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu. In ihrem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Glückwunsch schrieb Merkel: "Die Welt steht zu Beginn Ihrer Amtszeit vor bedeutenden Herausforderungen." Sie sei "überzeugt, dass wir in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa den neuartigen Gefahren und Risiken entschlossen begegnen und die vielfältigen Chancen, die sich in unserer globalen Welt eröffnen, gut nutzen werden." Die Kanzlerin lud Obama zu einem baldigen Besuch nach Deutschland ein.

Abbas wünscht sich "neue Impulse" für Nahost

Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas hat dem künftigen US-Präsidenten Barack Obama zum Wahlsieg gratuliert. Er freue sich darauf, gemeinsam mit der neuen US-Regierung größeres Tempo in die Friedensverhandlungen zu bringen. Obama solle den Friedensprozess sofort neue Impulse geben, um Frieden und Stabilität in den Nahen Osten zu bringen, sagte Abbas laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa vom Mittwoch.

Ein Sprecher der radikalen Hamas, die seit mehr als einem Jahr den Gaza-Streifen kontrolliert, gratulierte Obama nicht. Dafür gab Hamas-Sprecher Fausi Barhum dem künftigen US- Präsidenten den Rat mit auf den Weg, aus den Fehlern von US-Präsident George W. Bush zu lernen. Hamas habe nichts gegen einen Dialog mit Obama.

Livni spricht von "Ehrenorden" für die Demokratie

Israel hofft nach Obamas Wahlsieg auf eine Fortsetzung der Sonderbeziehungen zwischen beiden Ländern. Israel erwarte, dass die enge strategische Partnerschaft mit dem künftigen Präsidenten, der neuen US-Regierung und dem Kongress fortgesetzt werde, heißt es in einer Erklärung von Außenministerin Zipi Livni vom Mittwoch.

Livni bezeichnete die Wahl des ersten afro-amerikanischen Präsidenten als einen "Ehrenorden" für die Demokratie in den Vereinigten Staaten. Angesichts vieler Vorbehalte von Israelis gegen Obama sagte Livni, sie habe den Eindruck gewonnen, dass sich der neue Präsident der Sicherheit und dem Wohlergehen Israels verpflichtet fühle.

Hu spricht von "neuem historischen Zeitabschnitt"

Chinas Präsident Hu Jintao hat dem designierten US-Präsidenten Barack Obama zu seinem Wahlsieg gratuliert und einen erweiterten Dialog zwischen beiden Ländern in Aussicht gestellt. "Die chinesische Regierung und ich schreiben den US-chinesischen Beziehungen beständig große Bedeutung zu", schrieb Hu in einem Telegramm an Obama laut einer Mitteilung des chinesischen Außenministeriums. Er betonte, dass eine langfristige, stabile und gesunde Beziehung im Interesse beider Nationen liege. Die Wahl Obamas sei ein "neuer historischer Zeitabschnitt".

Der Staatspräsident erwarte sich mit Obama eine Zusammenarbeit, die den Dialog und Austausch zwischen beiden Nationen fördere und die Beziehungen "auf eine neue Ebene" stelle. (APA/dpa)

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