UNICEF beklagt Einsatz von Kindersoldaten

4. November 2008, 22:40
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Gefechte zwischen regierungstreuen Milizen und Rebellen

Genf/Goma - Regierungstreue Milizen im Osten des Kongo haben nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF in Flüchtlingslagern Kindersoldaten zwangsrekrutiert. Wie UNICEF-Sprecherin Veronique Taveau am Dienstag in Genf unter Berufung auf Entwicklungshelfer mitteilte, wurden in Lagern in der Region Rutshuru nördlich der umkämpften Stadt Goma 37 Kinder in die Mayi-Mayi-Milizen eingegliedert. Die Milizen lieferten sich am Dienstag Gefechte mit den Rebellen des abtrünnigen Generals Laurent Nkunda. Ruanda, dem der Kongo die Unterstützung der Rebellen vorwirft, kritisierte die internationalen Bemühungen zur Lösung der Krise.

Nach Angaben der UNO-Mission im Kongo (MONUC) kämpften die Mayi-Mayi-Milizen und Nkundas Anhänger in der Nähe von Kiwanja, 80 Kilometer nördlich von Goma. Die kleine Ortschaft beherbergt auch ein Lager der MONUC. Ein Sprecher der Mayi-Mayi sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Kämpfe seien am Nachmittag eingestellt worden. Unterdessen machte sich der kongolesische Regierungschef Adolphe Muzito ein Bild von der Lage in Goma, das von Nkundas Anhängern belagert wird. Muzitos Regierung hatte zuvor Forderungen der Rebellen nach direkten Verhandlungen zurückgewiesen.

Erste Fälle von Cholera

In den Flüchtlingslagern um Goma traten erste Fälle von Cholera auf. Wie die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mitteilte, wurden in den vier Lagern in der vergangenen Woche 69 Fälle der ansteckenden Krankheit registriert. Auch UNICEF warnte vor Krankheiten wie Cholera, Masern und Malaria. Viele Kinder seien nach Regenfällen zudem erkältet. Ferner leiden den Angaben zufolge tausende Flüchtlingskinder Hunger und haben seit dem Beginn der Kämpfe vor einigen Wochen kaum Zugang zu sauberem Wasser oder medizinischer Hilfe.

Um die Not der Kinder zu lindern, kündigte das UNO-Kinderhilfswerk weitere Hilfslieferungen für acht Millionen Dollar (6,3 Millionen Euro) an. In Goma seien bereits zusätzliche Wasserkanister, aufblasbare Wassertanks, Tabletten zur Wasseraufbereitung und Plastikplanen eingetroffen. Weitere Hilfsgüter sollen demnach im Laufe der Woche in die Provinz Nord-Kivu geflogen werden.

Das ruandische Außenministerium erklärte, die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft beruhten auf einem "Missverständnis". Der Konflikt sei eine innere Angelegenheit des Kongo, die Ruanda nicht betreffe. Präsident Paul Kagame sei allerdings weiter bereit, an einem Krisengipfel mit Kongos Staatschef Joseph Kabila teilzunehmen.

Im Osten des Kongo hatten Kämpfe zwischen Armee und Kämpfern des Rebellenführers Laurent Nkunda in den vergangenen Tagen zehntausende Menschen in die Flucht gezwungen. Anfang des Jahres hatten sich Regierung und Rebellen in Kongo bei einer Friedenskonferenz in Goma eigentlich auf ein Waffenstillstandsabkommen geeinigt. (APA)

 

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