Oberster Militärchef quittiert den Dienst

6. November 2008, 12:13
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General Mario Montoya tritt wegen Mordskandals zurück - 23 Zivilisten wurden umgebracht und als im Kampf gefallene Rebellen ausgegeben - Angeblich mindestens 1122 Fälle

Bogotá - Kolumbiens Militärchef, General Mario Montoya, hat am Dienstag wegen des Skandals um die mutmaßliche Ermordung von 23 jungen Männern den Dienst quittiert. Vergangene Woche hatte Präsident Alvaro Uribe wegen des Verdachts schwerer Menschenrechtsverbrechen bereits 27 Militärs, darunter drei Generäle, vom Dienst suspendiert.

Montoya wurde vorgeworfen, solche Offiziere befördert zu haben, deren Einheiten die meisten linksgerichteten Rebellen töteten. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen führte diese Methode dazu, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche Zivilpersonen umgebracht und als Rebellen ausgegeben wurden.

Mindestens 1122 Fälle

Bei dem schwerwiegendsten Fall von Menschenrechtsverbrechen durch die Streitkräfte seit Jahren sollen nach Erkenntnissen der Justiz 23 junge Männer Anfang des Jahres von illegalen Banden in der Hauptstadt Bogota entführt und kurz darauf als im Kampf mit dem Militär im Norden des Landes getötete Mitglieder illegaler bewaffneter Banden präsentiert worden sein.

Während der vergangenen fünf Jahre soll es insgesamt mindestens 1122 solcher Todesfälle gegeben haben. Die Opposition fordert den Rücktritt von Verteidigungsminister Juan Manuel Santos. Menschenrechtsorganisationen und Vertreter der Kirchen haben schon seit langem immer wieder darauf hingewiesen, dass das Militär bisweilen wahllos Zivilisten aus armen Bevölkerungsschichten aus ihren Häusern zerrte, erschoss und später als im Kampf getötete Gegner präsentierte.

Auch die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, hatte bei einem Besuch Besorgnis über die Morde geäußert. Die Behörden müssten dringend Maßnahmen zur Verhinderung solcher Verbrechen ergreifen und die Täter bestrafen, forderte sie. Kolumbien leidet seit mehr als vier Jahrzehnten unter einem bürgerkriegsähnlichen Konflikt, an dem Militär und die Polizei sowie illegale rechte Paramilitärs und linke Rebellen beteiligt sind.

Der heute 59-jährige General Montoya hatte im April 2006 das Kommando über die Streitkräfte übernommen. Seitdem erzielten die Truppen wichtige Siege gegen die linksgerichteten Rebellen der FARC. Montoya gilt auch als Architekt der gewaltlosen Befreiung von Ingrid Betancourt Anfang Juli. (APA/dpa/AP/Reuters)

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    General Mario Montoya quittiert seinen Dienst.

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