Wenn das Sammeln zum Psycho-Problem wird

4. November 2008, 19:20
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30.000 Menschen in Österreich sind "Messies"

Wien - Zu den "konkreten Verdachtsmomenten" gehöre das Sammeln von Zeitungen, sagt Alfred Pritz, Psychoanalytiker und Rektor der Sigmund-Freud-Privatuniversität (SFU) Wien. Oder von sonstwie Bedrucktem. Zuweilen verschiebe sich die Symptomatik aber auch in die digitale Welt: "Manch Betroffener bunkert E-Mails auf dem Computer. Oder er schafft es einfach nicht, auf dem Handy erhaltene SMS zu löschen."

Die Rede ist von Menschen, die in schönem Neudeutsch als "Messies" bezeichnet werden. Die sich auch selber so nennen und etwa in den USA und der Schweiz eigene "Bewegungen" gegründet haben.

Ihnen gemeinsam ist die Unfähigkeit, Gekauftes und Gesammeltes wegzuwerfen, sodass die Masse an Gegenständen die Macht über ihr Leben zu erringen droht. So, wie es etwa über den Opernkritiker Marcel Pravy und den Publizisten Hermes Phettberg berichtet wurde und wird.

"Ich habe Patienten, die hintereinander fünf Wohnungen angemietet haben. Wegen der vielen nicht weggeräumten Gegenstände wurde eine nach der anderen unbewohnbar", erläutert die Gruppenpsychoanalytikerin und FSU-Vizerektorin Elisabeth Vykoukal. Die FSU hält am 7. und 8. November in Wien die "Dritte deutschprachige Messie-Tagung" ab: An der Privatuni für Psychotherapie, wo auch Behandlungen durchgeführt werden, wurde in den vergangenen Jahren einiges Wissen über das Messie-Syndrom angesammelt.

Unter anderem die Schätzung, dass in Österreich rund 30.000 Menschen von der Störung betroffen sein dürften. Helfen können ihnen Selbsthilfegruppen und Therapie - "so Leidensdruck besteht", wie Pritz betont. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe, 05.11.2008)

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