Erst am 20. Jänner, 12.00 Uhr, ist Schluss

4. November 2008, 18:18
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Heikle Übergangsphase bis zur Angelobung des neuen Präsidenten

Kurz vor den Wahlen werfen die jeweiligen Präsidentschaftskandidaten ihren Kontrahenten unter anderem auch vor, sich des Sieges so gewiss zu sein, dass sie bereits "Maß für die Vorhänge im Weißen Haus nehmen" .
Tatsächlich richtet sich jeder neue Präsident das berühmte Oval Office nach seinem eigenen Geschmack ein. George W. Bush überließ es seiner Frau Laura, die richtigen Farben auszusuchen. Meistens bleibt nach dem Amtswechsel aber ein Möbelstück im Oval Office: der berühmte "Resolute" - Schreibtisch, der eine gewisse Berühmtheit durch die Fotos des kleinen John-John Kennedy erlangte, der darunter spielte, während sein Vater John F. Kennedy arbeitete.

Aber es dreht sich während der sogenannten "transition period" , jener Zeit vom Tag nach den Wahlen bis zum Tag der Inauguration des neuen Präsidenten am 20. Jänner, weniger um Einrichtungsgegenstände als um intensive Vorbereitung für eine neue Regierung - und darum, ob und wie der "Neue" mit dem scheidenden Amtsinhaber auskommt.

Chaos by Clinton

Wer aus der Geschichte gelernt hat, wird sich bemühen, eine Übergangsphase wie jene von Bill Clinton im Jahr 1992 zu vermeiden, die heute noch als eine der chaotischsten aller Zeiten gilt. Nach Clintons Amtsantritt ging das Chaos weiter, bis sich ein kluger Kopf entschied, David Gergen, Berater der Präsidenten Richard Nixon, Ronald Reagan und Gerald Ford, als "adult supervision" (erwachsene Aufsicht) anzuheuern.

Sowohl Jimmy Carter als auch Ronald Reagan hatten ihre Mannschaft lange vor der Inauguration beisammen. Von George W. Bush wird behauptet, dass er bereits während der Auszählungen in Florida, als noch nicht feststand, wer die Wahlen gewinnen würde, sein Team komplett zusammengestellt hatte.

Gefährlich für den neu gewählten Präsidenten könnte es werden, wenn sich der Amtsinhaber während der nahezu drei Monate, die er noch im Amt ist, einbildet, seine Bilanz durch irgendeine Heldentat aufbessern zu wollen; oder wenn er seinem Nachfolger durch "executive orders" , also schwer rückgängig zu machende Erlässe, die Hände bindet.

Was feststeht ist, dass der scheidende Amtsinhaber das Weiße Haus vor zwölf Uhr Mittag am Tag der Angelobung räumen muss. Mitarbeiter von Bush Vater beschwerten sich, dass das Clinton-Team allzu sehr gedrängt hatte. Nach acht Jahren Amtszeit schien allerdings auch Clinton selbst äußerst zögerlich Abschied nehmen zu wollen.

Ken Duberstein, ehemals Stabschef von Ronald Reagan, erzählte vor kurzem, er habe den Präsidenten gedrängt, an seinem letzten Vormittag doch noch einmal ins Oval Office zu gehen - mit dem Fazit, dass die beiden ein völlig leergeräumtes Büro betraten. Reagan sah sich um, und dann erinnerte er sich an etwas: "Das werde ich wohl nicht mehr brauchen" , sagte er, zog den geheimen Atom-Code aus seiner Hosentasche und überreichte ihn seinem Stabschef. (Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 5.11.2008)

 

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