Shakespeare zwischen Apple und Schauspielkunst

4. November 2008, 17:58
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Eine Werkschau im WUK versammelt neun Positionen zu William Shakespeare. Erfrischend!

Wien - Die großen Shakespeare-Entwürfe haben derzeit Pause. Auch wenn es - Ehrenrettung! - ein so schwieriges Stück wie Der Sturm in einer Inszenierung Stefan Puchers heuer von den Münchner Kammerspielen zum Berliner Theatertreffen geschafft hat. Ebenso war der mit Joachim Meyerhoff trittsicher besetzte Hamlet von Jan Bosse aus Zürich im Rennen. Jenseits großer Schauspielerleistungen aber beißen sich Regisseure, zumal jene, die zum mehrjährigen Shakespeare-Zyklus nach Wien ans Burgtheater berufen wurden, am Meister aus Stratford-upon-Avon die Zähne aus.

Wenn es im großen Format nicht läuft, dann eben im kleinen: Das hat zuletzt Niklaus Helbling mit einer geglückten Version der von Theaterpraktikern selten angetasteten Komödie Ende gut, alles gut im Burg-Kasino bewiesen. Und das zeigt auch eine von Johannes Maile kuratierte, mehrere Sparten bündelnde Shakespeare-Werkschau im WUK.

Bis Samstag stellen an der bewährten Experimentierstätte in der Währinger Straße insgesamt neun Künstler respektive Künstlergruppen ihre "Shakespeare-Positionen" vor. Was ein wenig abschreckend nach Sandkiste und/oder Konzept klingt, stellt sich dann aber als gelungener und weit weniger abstrus heraus, als es solch weiträumige Werkzugriffe erwarten lassen. Zumal sie auch aufrichtiger sind als so manche edle Portalbühnen-Show.

Zeitgleich - an zwei parallel stattfindenden Abendterminen - werden an mehreren Orten im WUK-Backsteingehöft Shakespeare-Stücke verhandelt. Den Anfang machte am Montag Kerstin Schütze mit einem Vorspiel zu Hamlet: Nach Motiven aus John Updikes Roman Gertrude und Claudius spürte sie in bestechend klaren, vom Theatermief kräftig entlüfteten Szenen dem Unheil der dänischen Königsehe nach. Und das mit Starbesetzung: Die Burg-Mimen Florentin Groll und Hans Dieter Knebel geben König und Polonius. Kein schlechter Deal, diese Win-Win-Situation: Man wahrt den Kontext einer entschlackten, reduzierten Off-Inszenierung, versichert sich zugleich aber der Kunst versierter Sprechtheaterkünstler.

Anders der Beitrag Hamlet‘s Headache der Performancegruppe toxic dreams: Regisseur Yosi Wanunu hat sich auf die im Kommen begriffene Methode des Re-Enactment konzentriert, d. h. auf das Nachstellen historischer Aufführungspraxen. Zwei Schauspielerinnen und ein Apple helfen dem mit Halskrause ausstaffierten Moderator dabei, die berühmtesten Interpretationen der Geist-Szene(Hamlet erscheint der Geist seines Vaters) von Laurence Olivier bis Mel Gibson nachzuspielen. Ein Vergnügen mit klugen Kommentaren. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD/Printausgabe, 05.11.2008)

  • Irene Coticchio als Geist von Hamlets Vater.
    foto: barbara pálffy

    Irene Coticchio als Geist von Hamlets Vater.

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