Ölfrei tanken mit System

4. November 2008, 18:58
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Das Technology & Innovation Center entwickelt multifunktionale Tankstellen für Elektroautos

Die Zukunft des Autos ist elektrisch. Dessen sind sich zumindest alle Vordenker und Visionäre der Automobilbranche einig. Der Trend zu hybriden Antrieben sei nur ein Vorgeschmack, erklärt zum Beispiel der wohl meistzitierte deutsche Autoexperte, Ferdinand Dudenhöffer. Denn mit der Entwicklung von hybriden Antrieben wird in den Autokonzernen und bei der Zulieferindustrie der Grundstein für das Elektroantriebs-Know-how gelegt. Heute ist der Elektroantrieb noch als Hilfsmotor konzipiert. In nur wenigen Jahren könnte der Kraftstoffmotor zum Hilfsmotor werden oder für Fahrzeuge im Nahverkehr ganz wegfallen.

Bis dahin müssen allerdings noch einige Probleme gelöst werden. Zum Beispiel die Frage, woher der Strom für die Mobilität der Zukunft kommen soll. Einig sind sich Experten ebenfalls, dass der Strom regenerativ, also aus Sonne, Wind oder Wasserkraft, erzeugt werden muss. Für den darauffolgenden Schritt wird der Systemwechsel zu Wasserstoff immer noch heiß diskutiert. Und genau für diese Fälle rüstet das Technology & Innovation Center (TIC) in Steyr, das mit seinen Partnern aus Industrie und Wissenschaft bereits an einer Energietankstelle der Zukunft arbeitet.

Der Prototyp soll bereits Ende 2009, aber spätestens im ersten Quartal 2010 im TIC in Testbetrieb gehen und wendigen Stadtflitzern die notwendige Energie liefern.

"Die Strom- und Wasserstofftankstellen der Zukunft sind flexibel und modular als Containerlösung konzipiert, können rasch aufgestellt und verlegt werden" , erklärt der TIC-Geschäftsführer Walter Ortner. Neben Strom aus der Steckdose werden die Tankstellen eine Schnellladestation für die kommenden Antriebsbatterien sowie wasserstoffbefüllte Kartuschen bereitstellen. Die Kartuschen sollen breite Anwendung finden, wie Andreas Schenner, Cheftechnologe der beteiligten Firma Bitter erklärt: "Wir beschäftigen uns seit einiger Zeit mit der Speicherung von Wasserstoff und haben dafür ein eigenes Kartuschensystem entwickelt, das nicht nur in das Projekt eingebunden werden, sondern auch in Mitteleuropa einen Standard setzen soll."

Wasserstoff mittels Fotovoltaik

Erzeugt wird der dafür notwendige "grüne" Wasserstoff mittels Fotovoltaik, die vom Entwicklungspartner Fronius aus Sattledt stammt. Da Wasserstoff durch seine Flüchtigkeit und den hohen Druck in den Kartuschen nicht so einfach wie Benzin, Diesel oder Erdgas zu betanken ist, müssen die Kartuschen automatisch zum Wasserstoffauto transportiert werden. Dazu wurde ein Roboterarm entwickelt, der das Handling der Kartuschen erleichtert. Parallel dazu sollen für das Konzept passende Fahrzeuge, genannt Hycart, entwickelt werden. "Wir werden in nächster Zeit ein bereits von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG genehmigtes Projekt für solche Fahrzeuge in Angriff nehmen" , kündigt Schenner an.

Bei der Reinigung der Stadt Wien gibt es bereits Elektrofahrzeuge mit Wasserstoffantrieb, der mit Kartuschen getankt werden kann. Weil sich die Firma, welche die Fahrzeuge eigens dafür konzipierte, in Insolvenz befindet, sind erst 23 der 70 für dieses Jahr geplanten Fahrzeuge in der Bundeshauptstadt im Einsatz. "Es wird jedoch eine Nachfolgelösung geben" , ist Schenner überzeugt.

Dem Ziel, 2010 erste Fahrzeuge zwischen Sattledt, wo der Wasserstoff herkommt, und Steyr, wo er getankt werden kann, einzusetzen, scheint somit nicht mehr viel im Weg zu stehen. So soll die erste "Clean Mile" , also saubere Meile, in Oberösterreich entstehen und Daten für zukünftige Antriebsmöglichkeiten liefern. TIC-Geschäftsführer Ortner: "Alternative Antriebe müssen für jeden begreifbar werden. Und dazu müssen solche Projekte realisiert werden." (klack/ DER STANDARD, Printausgabe, 05.11.2008)

  • Noch dominieren Zapfhähne die Tankstellen. Künftig sollen flexible Containerlösungen mit Kartuschensystemen dazukommen.

    Noch dominieren Zapfhähne die Tankstellen. Künftig sollen flexible Containerlösungen mit Kartuschensystemen dazukommen.

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