Es kam noch schlimmer, als es 1999 aussah

4. November 2008, 17:48
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Zwei Wochen nach seiner Ernennung zum Kronprinzen war Abdullah König

König Abdullah II. bin Al-Hussein von Jordanien wird im Februar 2009 sein zehnjähriges Jubiläum auf dem haschemitischen Thron feiern. Überraschend hatte sein sterbenskranker Vater König Hussein zwei Wochen vor seinem Tod seinen Bruder Hassan als langjährigen Kronprinzen entlassen und den damals 37-jährigen Abdullah zu seinem Nachfolger ernannt. In einem Gespräch mit dem Standard ein Jahr später berichtete König Abdullah von seinem "Schock" . Aber "ich war Soldat, und mein Vater war der Boss. Und du salutierst und sagst: Yes, Sir" .

1999 bedauerten die Medien den jungen König, in welch einer schweren Zeit er das Land übernehmen müsse - aber die Zeiten sollten noch viel schwieriger werden. 2000 brach im benachbarten Palästina die zweite Intifada aus, ab Herbst 2001 führten die USA ihren "War on Terror" , wobei Jordanien ein - hochsubventionierter - Verbündeter Washingtons ist.

2003 gehörte König Abdullah jedoch zu den Skeptikern, was den Ausgang des Irak-Abenteuers der USA betraf. Im Frühsommer 2003 war der Standard in einer Gruppe von internationalen Journalisten dabei, als Abdullah mit Entsetzen und Unverständnis die Auflösung der irakischen Armee durch den damaligen US-Zivilverwalter Paul Bremer kommentierte, was dem Aufstand im Irak starken Zulauf bescherte. Jordanien ist selbst vom Irak-Krieg stark betroffen, seit 2003 hat es bis zu 800.000 Flüchtlinge aufgenommen. Abdullah fordert von Washington auch immer wieder mehr Engagement für eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts ein, die nötig wäre, um Frieden und Stabilität in die Region zu bringen.

Islamisten geschwächt

Vor einem Jahr haben zum zweiten Mal unter seiner Regentschaft Parlamentswahlen stattgefunden, wobei die Islamische Aktionsfront (IAF), die offizielle islamistische Partei, einen herben Misserfolg einsteckte, sogar in ihren Hochburgen Irbid und Zarka. Behauptungen von Wahlfälschungen wurde nicht nachgegangen. Jordanien bleibt eine gelenkte Demokratie, in der das Parlament nicht viel Macht hat und die Sitzverteilung einen überwältigenden Einfluss des Königshauses garantiert (ein königstreuer beduinischer Stammesvertreter kommt mit ein paar tausend Stimmen ins Parlament, während ein Parlamentarier aus Amman zehntausende braucht).

Beeindruckende Erfolge hat Jordanien in der Wirtschaft aufzuweisen, ein rigoroses Privatisierungsprogramm hat dazu geführt, das Jordanien sich aus der Schuldenfalle herausbewegt hat. Die Ambitionen, das Land als regionalen Dienstleister und als arabisches IT-Zentrum zu etablieren, sieht König Abdullah im Interview unberührt, die Wachstumsprognose blieben aufrecht.

König Abdullah ist seit 1993 mit der Palästinenserin Rania verheiratet, was dem palästinensischen Bevölkerungsteil, der ständig über eine von den "echten" Jordaniern und ihren Netzwerken eingezogene Glasdecke in der Gesellschaft klagt, zweifelsohne einen Legitimationsschub beschert hat. In den westlichen Medien durch ihre Schönheit präsent, ist sie in Jordanien und der arabischen Welt dafür bekannt, bei ihrer königlichen Sozialarbeit auch heiße Eisen anzufassen, wie etwa Kindesmissbrauch. Das Paar hat vier Kinder, der kleinste Sohn ist erst drei Jahre alt. (guha/DER STANDARD, Printausgabe, 5.11.2008)

 

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