"Das Prüfungmachen können wir ihnen nicht abnehmen"

4. November 2008, 18:43
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Medizin-Studenten wollen alten Studienplan verlängern

Wien - "Ein Umstieg in die neue Studienordnung ist nicht möglich, sprich die Frist kommt einem Rauswurf aus dem Studium gleich - betrifft ca. 1000 Studenten." Dieser Hilferuf ging per E-Mail beim Standard ein. Ende Jänner 2009 läuft nämlich an der Medizin-Uni Wien die alte Studienordnung für Medizin aus. "Es ist also ein wenig Eile geboten", schreibt der Betroffene, der nicht genannt werden möchte, stellvertretend für eine ganze Reihe möglicherweise schon bald Ex-Studierender. Ihr Hauptwunsch: Fristverlängerung.

Die kann der an der Medizin-Uni Wien für Lehre zuständige Vize--Rektor Rudolf Mallinger im Gespräch mit dem Standard nicht versprechen. Sie ist Sache des Uni-Senats, der dem Vernehmen nach gegen eine neuerliche Verlängerung des alten Studienplans ist.

Mallinger kann aber eines versprechen: "Es wird bis Jahresende Klarheit für alle geben, was passiert - ob Fristverlängerung oder nicht." Unzumutbare Härte oder Sturheit könne man der Med-Uni Wien jedenfalls nicht vorwerfen, im Gegenteil. Man habe bereits sehr großzügige Übergangsfristen eingeräumt. Der erste Studienabschnitt wurde für die "Alt"-Studierenden 2002 um ein Jahr verlängert, der zweite von drei auf sechs Semester verdoppelt und 2007 noch einmal um ein Jahr ausgeweitet. "Wir können den alten Plan nicht ewig verlängern. Das belastet das Gesamtsystem, wenn man ständig Studierende aus dem alten Curriculum mitnehmen muss. Irgendwann muss die Frist enden."

Wer ist betroffen? Nur Studierende, die vor dem Wintersemester 2002 inskribiert haben. Mallinger: "Es geht jetzt großteils um Studierende, die schon lange studieren. Im Durchschnitt haben diese Betroffenen eine Studiendauer von zehn Jahren hinter sich, sie stehen im zweiten Studienabschnitt, für den der alte Lehrplan 3,5 Jahre Regelstudiendauer vorsieht."

600 Studierende im zweiten Studienabschnitt studieren noch nach dem alten Curriculum. Laut Prüfungsstatistik sind davon aber nur rund 250 prüfungsaktiv, sagt Mallinger: "Das Prüfungmachen können wir ihnen nicht abnehmen."

Rausfliegen aus dem Studium würde niemand, "sie können in das neue Curriculum umsteigen, das hätten sie schon seit sechs Jahren tun können". Der Quereinstieg wäre bei der "SIP 1", der ersten großen Gesamtprüfung am Ende des ersten Studienjahres, möglich. Anrechnungen von Alt auf Neu seien nicht möglich wegen der "Inkompatibilität der zwei Lehrpläne". (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD Printausgabe, 5. November 2008)

 

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