Homosexualitäts-Unterstellung vor Gericht

4. November 2008, 17:30
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BZÖ-Stadler klagte nach pikanter Aussendung von FPÖ-Vilimsky

Wien - "So was, haben die jetzt andere Sorgen?" , wunderte sich Richterin Brigitte Zeilinger. Denn seitens der FPÖ war niemand zur Verhandlung im Wiener Landesgericht erschienen. Nicht einmal ein Rechtsvertreter. Also machte sich Zeilinger zunächst daran, per Telefonauskunft sicherzustellen, dass die Postadresse der FPÖ eh die richtige ist, rief dann am Gang noch zweimal "FPÖ, Saal 207" auf - doch die Partei kam nicht.

Was der BZÖ-Abgeordnete Ewald Stadler geklagt hatte, ist durch Jörg Haiders Tod und die Berichte über seine letztenStunden doppelt pikant geworden. FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky hatte im August das Comeback Stadlers im BZÖ per Aussendung kommentiert: "Jörg lässt wieder seine Püppchen tanzen." Vilimsky weiter im Zitat: "Vielleicht sei auch Stadlers übertriebenes Auftreten gegen Homosexualität nur eine Nebelgranate gewesen, um seine Nähe zu Haider zu vertuschen."

Stadlers Rechtsvertreter Michael Rami beantragte "eine saftige Entschädigung" - die FPÖ wurde von Richterin Zeilinger schließlich in Abwesenheit zu einer Zahlung von insgesamt 1600 Euro verurteilt. Homosexualität sei eine Sache des Privatlebens und habe in einer politischen Aussendung nichts verloren, betonte Zeilinger. Jemand Homosexualität zu unterstellen sei nicht ehrenrührig - aber diese Aussendung richte sich an eine bestimmte Öffentlichkeit und unterstelle Stadler Unehrlichkeit. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD Printausgabe, 5. November 2008)

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