Interviews mit Geiseln gegen Bares

5. November 2008, 10:28
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Die beiden befreiten Sahara-Geiseln Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner werden für Gespräche mit Medien Geld verlangen

Dieses wollen sie aber nicht behalten, sondern als Dank für ihre Rettung zurückerstatten.

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Salzburg - "Es sind für Interviews von diversen Medien teils horrende Preise geboten worden." Über die genaue Höhe der angebotenen Beträge will Mike Vogl allerdings keine Angaben machen. Vogl hat die Angehörigen der beiden über acht Monate lang in der Sahara Verschleppten medial betreut. Es war ihm gelungen, die Angehörigen vor allzu zudringlichen Journalisten abzuschirmen.

Jetzt versucht er, den enormen Mediendruck auf Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner - so gut es geht - in einigermaßen geordnete Bahnen zu lenken. Die zwei gekidnappten Sahara-Touristen würden in keinem Fall auf die Angebote eingehen, um so ihre Geschichte zu Geld zu machen, berichtet Vogl im Standard-Gespräch. Kloiber und Ebner planten vielmehr, für "die ersten Interviews" einen fixen Satz zu verlangen. Die Rede sei von 3000 Euro, meint Vogl.

Der erzielte Betrag werde über ein Treuhandkonto verwaltet. Die so erwirtschaftete Summe solle jenen zukommen, die für ihre Befreiung "Geld ausgegeben haben, die den beiden geholfen haben" , erläutert Medienkoordinator Vogl. Wem genau die für die Mediengespräche lukrierten Beträge zukommen sollen, müsse noch festgelegt werden.

Unabhängig davon dürfte es aber bereits heute, Mittwoch, einen ersten Kontakt von Kloiber und Ebner mit Medienvertretern geben. Die beiden sehen sich laut Vogl in der Lage, eine "kurze Pressevorstellung" zu absolvieren. "Ein Frage- und Antwortspiel" wolle man aber mit Rücksicht auf die Verfassung der beiden noch nicht zulassen.

Kidnapper gut organisiert

Unabhängig von den geplanten Pressekontakten sind aber bereits erste Details ihrer Gefangenschaft durchgesickert. Der Kurier berichtet unter Berufung auf Erzählungen von Helfern, dass die Kidnapper gut organisiert gewesen seien. Zu ihrer Ausrüstung gehörten Satellitentelefon und GPS-Navigationsgeräte. Die Entführer legten mit den beiden Geiseln "enorme Wegstrecken" zurück, um tunesischen und algerischen Truppen zu entkommen. Tagsüber seien sie "unter Flugdächern oder in Zelten gelegen" und bei Nacht weitergefahren. Zu essen habe es meist Gazellenfleisch gegeben.

Vor allem Andrea Kloiber dürfte die Gefangenschaft enorm zugesetzt haben. Sie habe sich als Frau unter lauter Männern "ständiger Psychofolter" ausgesetzt gesehen. Körperliche Übergriffe gegen Kloiber habe es aber keine gegeben.

Die zwei Schäferhunde, die das Touristenpaar mit nach Tunesien genommen hatte, seien von den Geiselnehmern kurz nach der Entführung mit einem Strick erdrosselt worden. (Thomas Neuhold/DER STANDARD, Printausgabe, 5.11.2008)

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