Personenkult am Ende seiner Tragfähigkeit

5. November 2008, 05:13
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Der neue Präsident ist nicht zu beneiden - Vom Kult um seine Person wird er nicht mehr lange zehren können - Ein Komment@r

Bis zuletzt wagte niemand so wirklich an den Erdrutschsieg zu glauben. Bradley-Effekt oder Wilder-Effekt, Wahlmännersystem, Umfragedebakel, die Gründe zum Zweifeln waren mannigfaltig, schließlich erinnerte man sich an frühere Prognose-Hochstimmungen, die nach den Wahlen in einen schmerzhaften Katzenjammer umschlugen.

In Wirklichkeit hat der Republikaner John McCain das Rennen Ende September verloren, als die USA die größte weltweite Finanzkrise der letzten Jahre auslösten. Mit der Unterbrechung des Wahlkampfes wollte McCain eigentlich Stärke demonstrieren. Allein, der Versuch missglückte gründlich. Barack Obamas unaufgeregte Reaktion ließ McCains Coup als Panikreaktion dastehen. Der Demokrat hingegen konnte sich als staatstragender Politiker etablieren, der durchaus auch "zwei Sachen zugleich" tun konnte, "wie es sich für einen Präsidenten gehört".

Obamas Beraterstab und Wahlkampfmanger hatten einfach den besseren Job gemacht. Und Obama setzte seine Botschaften glaubwürdiger um. Obama, der sich vordergründig immer darüber mokierte, dass es im Wahlkampf nur um Personen und nie um Themen gehe, muss diese Forderung nun selbst einlösen, denn vom Kult um seine Person wird er nicht mehr lange zehren können.

Thema Nummer 1: George W. Bush hat seinem Nachfolger unglaubliche 10 Billionen Dollar an Gesamtschulden hinterlassen und hat diese damit in acht Jahren verdoppelt. Wirtschaftskompetenz des Obama-Teams hin oder her. Aus diesem Dilemma kommen die USA nicht so schnell wieder heraus, vor allem nicht in Zeiten der Rezession. Das US-Handelsministerium wird im Jänner vermutlich offiziell die Rezession feststellen, was die Märkte erneut destabilisieren könnte. Dann ist guter Rat teuer.

Und nach außen hin geht es darum, die Glaubwürdigkeit der USA wieder herzustellen. Die moralische Führungsposition ist nach Abu Ghraib und Guantanamo abhanden gekommen. Das Image der militärischen Supermacht USA ist durch den Krieg im Irak angekratzt. Der neue Präsident ist nicht zu beneiden. (Manuela Honsig-Erlenburg, derStandard.at, 5.11.2008)

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