Magen, Darm und rohes Meer

2. Dezember 2008, 17:00
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    foto: © mdlf/r-cast

    Rendez-Vous
    35 Rue F. Faure
    Cannes
    0494685510

    Astroux et Brun
    25 Rue F. Faure
    Cannes
    04 93 39 21 87

Endlich Andouillete: Harald Fidler probiert Gekröse an der Croisette. Und natürlich üppige Rohheiten von Auster bis Kaisergranat

Warum in Cannes, nur wenige Meter landeinwärts vom Meer, von der Croisette, ausgerechnet Gekröse? a) Weil ich schon seit Unzeiten der Andouillette nachgiere, aber immer nur davon lese, was wohl auch daran liegt, dass ich deutlich häufiger nach Italien als nach Frankreich essen fahre. Immerhin: Dort tröste ich mich mit Lampredotto, Tripe und Konsorten. b) Weil ich eine der gewaltigen Platten mit rohem Meeresgetier schon in meiner Mittagspause von der Fernsehmesse verputzt hatte, um kurz den Abermillionen Showideen und Programmstunden zu entgehen. c) Steuerten die p.t. Kollegen partout dasselbe Lokal an, das ich mir schon für den Mittagstisch ausgesucht hatte, ein Rohheitenvergleich kam also auch nicht infrage. d) Aber konnte ich gar nichts gegen das Rendez-Vous einwenden, war ja schon mittags sehr begeistert.

Guru-Guru!

Wie war die Wurst? Unförmig jedenfalls, optisch wie ein kupierter Hundeschwanz (mit Symmetrieschwächen), die man glücklicherweise immer seltener sieht. Auf Senfsauce, die Wurst, sonst nichts. Vielleicht ordern Auskenner eine Beilage dazu, hab ich verabsäumt. Also volle Konzentration auf die Wurst. Eigentlich ja eine grundvernünftige Idee, Magen und Darm in Darm zu füllen. Darm in Darm, das erinnert ein bisschen an den kulinarischen Asterix in Übersee, Guru-Guru gefüllt mit Guru-Guru. Guru-Guru riecht garantiert etwas weniger streng als die Andouillette. Aber: Wer Eingeweide mag, der mag die Wurst, behaupte ich jetzt einmal. Ich sowieso.

Freund der Schnecken

Die werten Kollegen holten einstweilen die Rohheiten nach, die ich mittags verputzt hatte. Ausufernde Platten von den winzigen Strandschnecken, mit denen ich schon im Le Salzgries eine innige Freundschaft aufgebaut habe, Garnelen in diversesten Größen und Farben, Austern (Fines de Claire und Cote Bleu), Mies- und sonstige Muscheln, die ich natürlich alle nicht benennen kann, Wellhornschnecken, Kaisergranat, Taschenkrebs (Krebs jedenfalls, die Tasche ist eine Mutmaßung), dessen fachgerechten Konsum mir schon der freundliche Ober mittags näher gebracht hat, als ich meine Ratlosigkeit zum Thema durchs Lokal funkeln ließ.

Die geschätzten Kollegen schwächelten glücklicherweise und kapitulierten rasch auf dem Weg zum Eiweißschock, was mir die Gelegenheit gab, mein Helfersyndrom auszupacken und nach der Eingeweidewurst die Proteinparty von mittags zu wiederholen. Mutmaßlich sparten die Herrschaften aber auch nur auf ein Dessert, das mir ohnehin gestohlen bleiben kann.

Belon, svp

Eigentlich hatten die Cannes-Auskenner in unserer kleinen Reisegruppe das Brun angesteuert, zwei, drei Lokale westwärts vom Rendez-Voux, dort aber brummte der Laden noch heftiger. Platz für sechs oder sieben? Keine Chance. Aber eine kleine Bestätigung für mein Nahrungsradar: Brun hatte ich schon im Alleingang am Vorabend erkundet. Wirkt bodenständiger, als die Rechnung klar macht, aber was muss ich auch ein Dutzend Belon bestellen? Waren eh die kleinste Kategorie dieser Austernsorte, die mein bisheriger Kenntnisstand als die beste identifiziert hat. Auch hier nicht übel. 44 Euro das Dutzend. Die größte Kategorie der Belons reichte weit in die 70-er Zone. Was geh ich auch in Cannes essen? Wobei: Die formidable Rohheiten-Platte im Rendez-Vous war mit 35 Euro durchaus ertragbar bepreist. Wenn ich mich recht erinnere, kriegt man darum fast drei Andouilllettes dort.

PS: Wer sich jetzt beschwert, dass ich dieses oder jenes beste Lokal von Cannes und Umgebung ignoriert hätte: Warum haben Sie sich nicht auf meine vor dem Trip in Schmecks annoncierte Bitte gemeldet? Egal: Her mit den Tipps, s'il vous plait, ich muss eh wieder hin.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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Posting 1 bis 25 von 48
1 2
A Voice
00
9.12.2008, 08:59
Bitte

es war Guru-guru gefüllt mit Bär...

leises Stimmchen aus dem off...

hio
00
6.12.2008, 03:00

Le Bistrot des Viviers www.les-viviers-nice.com,
Le Restaurant de Bacon, www.restaurantdebacon.com.man sollte die sky europe flüge nach nizza nützen,solange die noch fliegen.und das ja angeblich nicht mehr lang.man kann um diese jahreszeit auch sehr schön & relativ preiswert in 4-5 * hotels übernachten.www.cote.azur.fr. die beste jahreszeit die cote azur zu besuchen,wenig touristen,humane preise,um die 18°c,wenns regnet,nie lang.immer wieder sonne.

Lethawae
00
5.12.2008, 11:35
Gackiwurst

Warum habt's der Andouillette eigentlich ihr zweites "t" geklaut?

Schnabeltierfresser
00
3.12.2008, 11:31
44 Euro das Dutzend Austern?

Dafür können Sie in Arcachon eine Familie satt machen, Fidler!

170 jahre karl schranz
00
3.12.2008, 13:56

passt eh, 3 stück für jeden.

dasandere
00
2.12.2008, 23:19
Elsner bist dus??

Woher habt ihr die Kohle, für solch Schmafu ...

Florian Holzer
22
3.12.2008, 10:23

was konkret ist in diesem fall "schmafu"? die wurst oder die medienmesse? aber sie haben recht, ich frag mich auch, wie sich ein angestellter redakteur einer österreichischen tageszeitung eine wurst leisten können soll. da muss betrug im spiel sein!

poldus bellus
00
3.12.2008, 13:11
€ 44/ duzend

hier herunten scheint mir aber an der Neppgrenze zu liegen. Vielleicht eine Art Messeaufschlag.

jumpingjack flash
00
3.12.2008, 14:14

messepreis :-)

jumpingjack flash
00
3.12.2008, 12:52
in zeiten wie diesen

austern und meeresfrüchte? - essen das die orfler etwa auf unser kosten (gebühren) - ich ahne was skandalöses!

MishaG
 
42
2.12.2008, 22:25

Habe leider einmal Andouillette bestellt, als ich noch nicht Französisch konnte. Den Gestank spüre ich noch heute, wenn ich daran denke...

Es gibt ja einige französische Gerichte, die man in Ö zu Unrecht mit Misstrauen betrachtet, von Gänseleber über Schnecken, aber Andouillette ist wirklich eine Frechheit.

Ich habe vor kurzem von einer Freundin erfahren, dass sie gerne Andouillette ist und ernsthaft überlegt den Kontakt abzubrechen, weil so jemand zu allem fähig ist.

der_kleine_pariser
 
00
4.12.2008, 23:10
schnecken waren ansich sowas wie österreichische armenkost.

so wie früher auch flusskrebse.

sind nur (fast) ausgerottet.

die ganzen >marottenspeisen< wie auch froschhenkel sind sozusagen das fleisch vom straffrei jagbaren wild der armen gewesen, international.

und die meisten dieser arten fielen nicht der übermässigen bejagung zum opfer sondern dem zerstören der biotope.

Sensei Onaga
00
4.12.2008, 12:05
signed

stimmt, die Gastronomie treibt seltsame Blüten.
Ich kann das Eingeweide essen ja noch einigermassen nachvollziehen aber Darm in Darm Wurst hat für mich schon was von Extremsport.
In der ärgsten Hungersnot würde ich das Zeug vermutlich roh fressen, aber glücklicherweise...


sylvia29
00
4.12.2008, 11:24
so gesehen

aber besser, sie ist andouillette als schnecke. normal wärs ja umgekehrt.

der_kleine_pariser
 
02
2.12.2008, 23:38
andoillette muss sehr sorgfältig zubereitet werden.

der charcutier muss die därme putzen, putzen putzen...

der koch muss die därme grillen, grillen, grillen...
nur wenn die wurst wirklich GANZ ausgebraten ist, schmeckt sie nicht mehr nach sch... sondern hat einen angenehmen geruch nach stroh und etwas stall.

Sensei Onaga
00
4.12.2008, 12:06

argl!

..wem jetzt noch net schlecht ist.

schmecks
00
2.12.2008, 23:50

hatte gerade in italien kutteln, bei denen die speisekarte extra betonte, dass sie handgewaschen sind, fand ich originell. waren übrigens herausragend.
besten gruß,
fid

poldus bellus
00
3.12.2008, 00:41
Kutteln

u. Trippa sind ident ?

Antoine Doisnel
00
8.12.2008, 13:49
Ja!

Spirogyra
01
4.12.2008, 00:09
@ Kutteln u. Trippa sind ident ?

Kutteln sind nicht so ansteckend.

poldus bellus
00
4.12.2008, 00:59
:)) i tayert schwoern

" er" ist ansteckend

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
3.12.2008, 10:33
trippe

ja

der_kleine_pariser
 
00
3.12.2008, 00:13
eine gute andoillette zu finden ist sehr schwer, die meisten lokale hudeln einfach zu sehr.

und dann wirds wirklich grauslig.

ich esse andouilette praktisch nur privat.

Florian Holzer
11
2.12.2008, 18:49

und jetzt die preisfrage: wann hat der fidler die rohe meeresplatte gegessen?

a) mittags
b) abends
c) mibends

die richtige antwort bitte an die standard.at-adresse des autors.
preis: guruguru, gefüllt mit BÄR.
rechtsweg ausgeschlossen, vor allem gegen den autor dieser zeilen.

agent provokateur
00
3.12.2008, 14:24

bin eigentlich ein wenig enttäuscht. warum startet der fidler mit sowas eigentlich nicht schon in der früh?

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