Annett Louisan: "Bin sehr sexistisch"

4. November 2008, 14:35
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Ihr neues Album "Teilzeithippie" sei "sehr nahe an mir dran", sagt die Sängerin, die im März zweimal in Österreich auftreten wird

Wien - Als neubrünetter "Teilzeithippie" zeigt sich die deutsche Popelfe Annett Louisan auf ihrem neuen Album. Und obwohl die Texte zum Teil merklich melancholischer sind als auf dem Vorgängerinnen, stehen die vielfältigen Spiele zwischen Mann und Frau immer noch im Zentrum der frechen und offenen Lyrics: "Ich muss mir selber anlasten, dass ich sehr sexistisch bin", sagte Louisan lachend.  "Ein Mann könnte solche Texte nicht singen, der wäre sofort als Macho abgestempelt." Im März kommt Louisan für zwei Konzerte (1.3., Orpheum, Graz, und 2.3., Wien, Stadthalle F) nach Österreich.

Nachdem Louisan zuerst, noch vor Beginn der Interviewfragen, anbringt, dass das neue Album mehr von einer "gewissen Leichtigkeit" hat als der Vorgänger "Das optimale Leben", bestätigt sie: Es ist auch viel melancholischer als ihre bisherige Musik. Das neue Album ist "vom 'Er und Sie' wieder hin zu einer 'Ich'-Platte. Es ist sehr nahe an mir dran, das macht sich sehr stark bemerkbar", sagte Louisan, die sich kürzlich von ihrem Ehemann getrennt hat. Ihr verspieltes Debüt-Album "Boheme" mit dem ersten Hit "Das Spiel" ist "ja auch schon fünf Jahre her. Als Mittzwanzigerin glaubt man, man weiß alles. Mit 31 schleicht sich ein kleiner, neuer Realismus ein, der mit ein bisschen Ironie hilft, die täglichen Demütigungen des Erwachsenenlebens besser zu ertragen."

"Ein typischer Frauenprozess"

Dass sie nun brünett ist statt blond, war eine "persönliche Entscheidung" und habe nichts mit einem bewussten Imagewechsel zu tun. "Es war Zeit, die Zotten abzuschneiden. Wenn man weiß, wer man ist, braucht man diese Maskeraden nicht mehr. Ein typischer Frauenprozess", lacht Louisan. Dass sie seit "Das Spiel" gerne als Pop-"Lolita" bezeichnet wird, findet sie zwar mittlerweile ein bisschen langweilig, aber: "Ich kann gut mit dem Begriff der 'Lolita' leben, weil das auch ein Teil von mir ist. So etwas kann man nicht kreieren." Mit dem veränderten Äußeren ist sie "höchstens unbewusst" vom Image der unschuldigen Blondine weggelaufen: "Ich habe persönlich das Gefühl, dass ich so weit davon weggegangen bin, und das Publikum schreit auch nicht mehr nach 'Das Spiel', die wollen Neues. Ich habe mich davon freigemacht."

So etwas wie Postfeminismus

"Das Spiel" hat aber nicht nur ihr Image bestimmt, sondern auch jene Diskussion ausgelöst, die Louisans Karriere seither begleitet: Denn in ihren Texten sind die Frauen zwar meist die Klügeren und am Schluss die Gewinnerinnen, die Männer werden besiegt. Doch ist dieses Besiegen oft gleichbedeutend mit Flachlegen: Die Frauen der Louisan-Songs definieren sich insgesamt, so wie die vier postfeministischen Freundinnen aus "Sex And The City", dann doch wieder über die Männer. Das hat Louisan auch Kritik von feministischer Seite eingebracht.

"Gutes Thema", lacht Louisan. "Das war ein Zweispalt, in dem ich immer gesteckt bin. Ein heikles Thema!" Sie glaube, dass "Emanzipation und Weiblichkeit immer noch zu sehr getrennt werden". Und Emanzipation bedeute für sie nicht, dass "eine Frau den Weg des Mannes geht. Eine Frau kann Kinder kriegen und muss Job und Familie unter einen Hut kriegen. Ich bin selbstbewusst, aber stehe zu meiner Weiblichkeit - und all dem, was mit diesem Spiel zwischen Mann und Frau zu tun hat." (APA)

 

  • "Teilzeithippie" ist der Titel des neuen Albums der 31-jährigen Sängerin Annett Louisan. Es ist das vierte ihrer Karriere und ein Neuanfang. Vom "Haarspraymonster" ist die Rede, wenn Annett Louisan ihre jüngere Vergangenheit Revue passieren lässt, die mit den Aufnahmen zur neuen Platte zu Ende ging.
    Foto: AP/Hermann J. Knippertz

    "Teilzeithippie" ist der Titel des neuen Albums der 31-jährigen Sängerin Annett Louisan. Es ist das vierte ihrer Karriere und ein Neuanfang. Vom "Haarspraymonster" ist die Rede, wenn Annett Louisan ihre jüngere Vergangenheit Revue passieren lässt, die mit den Aufnahmen zur neuen Platte zu Ende ging.

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