Drei Viertel der Österreicher für Euratom-Ausstieg

4. November 2008, 14:20
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Ein Volksbegehren ist daher für die Plattform atomstopp_oberoesterreich ein "sehr interessantes Thema" - Global 2000 mach Flaschenpost-Aktion

Linz - Die Euratom-Skepsis der Österreicher ist weiter gewachsen: Mehr als drei Viertel (78 Prozent) treten für einen Ausstieg aus dem Vertrag aus, so das Ergebnis einer von atomstopp_oberoesterreich in Auftrag gegebenen "market"-Umfrage. Im Februar 2007 waren es noch 63 Prozent. Sollte die Bundesregierung nicht handeln, wäre für den Sprecher der Plattform, Roland Egger, ein Volksbegehren "ein sehr interessantes Thema", wie er in einer Pressekonferenz am Dienstag erklärte.

30 Jahre nach Zwentendorf solle auch Anlass für einen "Blick nach vorn" sein, so Egger. Österreich, das jährlich Euratom-Zahlungen in Höhe von 40 Mio. Euro leiste, könne mit einem Ausstieg "eine klare Absage" liefern und auch andere Länder zum Handeln animieren. Man werde das Thema in die Koalitionsverhandlungen "hineinreklamieren", so der Plattformsprecher, der sich ein Ergebnis für das erste Halbjahr 2009 erwartet.

Negativ besetztes Thema

In der Bevölkerung gebe es auf jeden Fall nur wenige Themen, die so eindeutig negativ besetzt seien, betonte David Pfarrhofer, Vorstand des Linzer Meinungsforschungsinstituts market. Für 65 Prozent von 501 im Oktober Befragten ist der Ausbau der Atomenergie nicht mehr zeitgemäß. Die Skepsis, was die österreichischen Zahlungen betrifft, ist seit Februar vergangenen Jahres gestiegen - von 71 auf nunmehr 81 Prozent. 79 Prozent der Befürworter eines Ausstiegs wollen diesen sofort. 72 Prozent könnten sich vorstellen, ein entsprechendes Volksbegehren zu unterschreiben.

Auch der Umweltdachverband forderte am Dienstag von der kommenden Bundesregierung eine "klare Anti-Atom-Haltung", die Stärkung der "Anti-Atom-Allianz" in Europa und einen Ausstieg aus dem Vertrag. FPÖ-Umweltsprecher Norbert Hofer machte in einer Aussendung darauf aufmerksam, dass Forderung der Grünen nach einem Euratom-Ausstieg bereits vor Jahren von den Freiheitlichen erhoben worden sei. BZÖ-Energiesprecher Rainer Widmann appellierte an die Regierung, mit Brüssel in Verhandlungen einzutreten.

Global 2000: "Atomkraft ist keine Antwort"

Anlässlich des Jahrestages verschickt die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 in Form einer Flaschenpost eine "Botschaft von Zwentendorf": Der Appell richte sich an jene Donau-Anrainerstaaten, die derzeit Atomkraftwerke betreiben, und soll vor den Gefahren der Atomtechnologie warnen. "Atomkraft ist keine adäquate Antwort auf den Klimawandel. Atomkraft schafft mehr Probleme als sie vorgeblich löst. Das hat die österreichische Bevölkerung schon vor 30 Jahren erkannt. Nach vielen verlorenen Jahrzehnten ist es nun fünf vor zwölf, um unsere Energieversorgung - in Europa, aber auch weltweit - endlich auf nachhaltige und erneuerbare Quellen umzustellen", hielt Anti-Atom-Sprecherin Silva Herrmann in einer Aussendung. Die symbolischen Aktion ist gegen 17 Uhr in Zwentendorf geplant. Weitere - in mehreren Sprachen abgefasste - Botschaften sollen unterhalb des Kraftwerkes Freudenau in Wien der Donau übergeben werden. (APA)

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