Einiges los

    4. November 2008, 13:00
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    Lob des Understatements

    Das Beste, das Größte, das Schönste, das Geilste, der heftigste Aufreger, das, was ganz Österreich bewegt: Gibt es etwas Öderes als diese superlativgestützte Angeberei, mit der sich diverse österreichische Zeitungsmacher bei ihren Lesern einweimperln wollen? Um wie viel dezenter und charmanter ist da doch das Understatement, das nicht nur in Großbritannien, der Vorbildnation für zivilisatorische Verfeinerung, hochgehalten wird, sondern auch bei Winders Wörterbuch. Wunderbar und ganz nach meinem Geschmack etwa jene Wortmeldung, die einem bei einem wüsten Sturm im Ärmelkanal über Bord gegangenen Engländer zugeschrieben wird: "Rather windy, isn't it?".

    Der WW-Preis für das Understatement der Woche geht an Nationalbankpräsident Ewald Nowotny, der, nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt wieder gesundet, in einem Interview mit der Krone Bunt am Sonntag folgendes meint: "Es geht mir wieder gut bestens, und nun ruft mich die Pflicht wieder ins Haus. Es ist ja einiges los auf dem Bankensektor." Dieses "einiges los" ist großartig. Ebenso gut hätte Nowotny formulieren können, dass beim großen Börsenkrach von 1929, in den vergangenen Jahren im Irak, im Nahen Osten und nach dem Hurrikan Katharina in New Orleans "einiges los" war. Understatement vom Feinsten, wenn man so will.

    Kleine Nachbemerkung zum Wort "los": Als Kinder pflegten wir dann und wann auf die Frage "Was ist los?" die scherzhafte Antwort zu geben: "Alles, was nicht angebunden ist!" War immer für einen Lacher gut!

    Weitere Assoziationen der Leser zum Thema "los" bzw. "Understatement" herzlich willkommen.

    Von Christoph Winder

    Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
    Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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