Ypsilanti ist nicht mehr Zugpferd für Hessen-Wahl

9. November 2008, 17:29
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"Polit-Nobody" kandidiert gegen Ministerpräsident Koch - gescheiterte SPD-Chefin behält aber den Parteivorsitz

 

Thorsten Schäfer-wie bitte? Als die hessische SPD am Wochenende entschied, nicht mehr Andrea Ypsilanti als Spitzenkandidatin in die Neuwahl am 18. Jänner zu schicken, sondern den Landtagsabgeordneten Thorsten Schäfer-Gümbel, war das Rätselraten nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb von Hessen selbst groß. Den 39-jährigen Mandatar aus Gießen kennt nämlich kaum jemand.

Mangelnde Bekanntheit versucht der Hinterbänkler jedoch durch große Zuversicht zu kompensieren: Der Ypsilanti-Vertraute aus dem linken Parteiflügel will "erhobenen Hauptes" und "jetzt erst recht" antreten. Ypsilanti, die Partei- und Fraktionschefin bleibt, hatte zuvor mitgeteilt, dass sie diesmal nicht mehr Zugpferd sein wolle:"Wir müssen jetzt die Ärmel aufkrempeln und mit einem anderen Spitzenkandidaten in die Neuwahl gehen."

 

Auch sie zeigt sich zuversichtlich: "Wir spielen nicht auf Opposition, sondern auf Sieg. Ich denke, dass man uns bei den Wählern eine zweite Chance gewährt." Allerdings räumt sie auch "zwei Fehler" ein: Erstens, dass sie im Wahlkampf voriges Jahr jede Zusammenarbeit mit den Linken kategorisch ausgeschlossen hat. Zweitens, den Versuch eine rot-grüne, von den Linken geduldete Minderheitsregierung nicht ordentlich vorbereitet zu haben. Ypsilanti hatte ihr Ziel, den geschäftsführenden Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) abzulösen, vorige Woche begraben, als vier Abgeordnete ihr die Gefolgschaft verweigerten.

"Sag niemals nie"

Zumindest den ersten Fehler will Schäfer-Gümbel nicht wiederholen. Für die Regierungsbildung nach der Wahl gelte "das James-Bond-Motto ‚Sag niemals nie‘" , erklärt er. Er werde diesmal keine Koalition ausschließen, auch nicht mit den Linken. Damit ist auch Franz Müntefering, Chef der Bundes-SPD, einverstanden. Er mahnt jedoch via Spiegel: Eine rot-rote Zusammenarbeit oder Koalition sei "nicht unser Ziel. Wenn wir den Regierungswechsel anders hinkriegen können, sind wir froh." Umfragen zeigen dafür allerdings wenig Chancen. Der SPDwerden Verluste zwischen zehn und 15 Punkte vorausgesagt, die CDU hingegen kann so zulegen, dass sich diesmal eine Koalition mit der FDP ausgehen würde.

Flexibler bei der Partnersuche wollen nach der Wahl Grüne und FDP sein: Die FDP versteift nicht mehr alleine auf einen Pakt mit der CDU, sondern lässt auch die Option auf eine Ampel mit SPDund Grünen offen. Und der designierte Bundes-Chef der Grünen, Cem Özdemir, schließt eine Koalition mit der CDU - wie es sie in Hamburg bereits gibt - nicht mehr aus. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.2008)

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    Andrea Ypsilanti macht Platz für ihren Vertrauten Thorsten Schäfer-Gümbel. Er führt die SPD in die Hessen-Wahl.

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