Unternehmen verliert Konzession

4. November 2008, 18:51
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Regierungskommissär beendete Aufsicht - Kreise: Möglicherweise Verstöße gegen WAG und unerlaubte Bankengeschäfte

Wien - Die trudelnde Kärntner Beteiligungsgesellschaft AvW Invest steht nicht mehr unter behördlicher Aufsicht. Am Dienstag beendete der von der Finanzmarktaufsicht (FMA) eingesetzte Regierungskommissär Martin Wagner seine Arbeit, teilte die AvW Invest am Dienstagnachmittag ad hoc mit. Per Bescheid habe die FMA nun auch die Löschung der Wertpapierdienstleistungs-Konzession der Gesellschaft festgestellt.

Der Wirtschaftsprüfer war 14 Tage bei der AvW im Einsatz und hatte die Aufgabe, Gefahren für die finanziellen Belangen der Kunden abzuwenden.

Die AvW Invest hatte die Konzession für Anlageberatung, Portfolioverwaltung und für die Annahme und Übermittlung von Aufträgen. Mit dem Erlöschen der WAG-Konzession (Wertpapierdienstleister-Konzession laut Wertpapieraufsichtsgesetz, Anm.) kann die Firma ihr Kerngeschäft, nämlich Finanzdienstleistungen, nicht mehr ausüben.

Alle Kundengeschäfte abgewickelt

 

Vor dem Erlöschen der Konzession nach dem Wertpapieraufsichtsgesetz 2007 (WAG 2007) wurden unter Aufsicht des Regierungskommissärs Martin Wagner alle Kundenbeziehungen der AvW Invest in dem von der Finanzmarktaufsicht (FMA) konzessionierten Geschäftsbereich abgewickelt, teilte die FMA in einer Aussendung mit. Ab sofort darf die Kärntner Firma auch keine Finanzdienstleistungsassistenten für drei Wertpapierdienstleistungen, für die sie die Berechtigung verloren hat, heranziehen.

Die nicht konzessionspflichtigen Geschäftsfelder der AvW Invest sind von den Maßnahmen nicht betroffen, so die FMA. Das Unternehmen mit Sitz in Krumpendorf am Wörthersee konzentriert sich laut Eigenangaben neben Finanzdienstleistungen auch noch auf Beteiligungen und Immobilien.

Mit der Beendigung der Aufsicht durch den Regierungskommissär sind die behördlichen Ermittlungen gegen die AvW Invest aber noch nicht zu Ende, verlautete zur APA. Kreisen zufolge gibt es Hinweise auf Verstöße der Kärntner Firma gegen das WAG, insbesondere gegen die darin festgeschriebenen Wohlverhaltensregeln und Organisationsvorschriften. So könnten verkaufte Wertpapiere nicht mit dem Risikoprofil der Kunden übereingestimmt haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Außerdem gebe es Verdachtsmomente in Richtung unerlaubter Bankgeschäfte. Möglicherweise habe die AvW Invest kurzfristig mit Beteiligungen gehandelt, um Gewinne zu erzielen - also Eigenhandel betrieben.

Die AvW-Invest-Aktie beendete den Handel an der Wiener Börse am Dienstag mit einem Plus von 25,07 Prozent und notiert somit bei 65,00 Euro. Der Umsatz war mit 18.480 Stück überdurchschnittlich hoch. (APA)

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