RBS profitiert von neuen Bilanzierungsregeln

4. November 2008, 11:19
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Im dritten Quartal machten Abschreibungen 260 Millionen Euro aus - In der ersten Jahreshälfte waren es mehr als sieben Milliarden Euro

London - Die britische Großbank Royal Bank of Scotland hat im dritten Quartal deutlich weniger abgeschrieben als in den ersten sechs Monaten des Jahres. Das Institut musste bei riskanten Papieren Wertberichtigungen von umgerechnet rund 260 Mio. Euro vornehmen, wie die Royal Bank of Scotland (RBS) am Dienstag mitteilte. In der ersten Jahreshälfte hatte das Geldhaus noch mehr als 7 Mrd. Euro abgeschrieben. Analysten hatten befürchtet, dass auch im dritten Quartal nochmals Belastungen im Milliardenbereich anfallen könnten.

Die Bank führte die geringeren Wertkorrekturen auch auf die kürzlich geänderten Bilanzierungsvorschriften zurück. Allein dadurch habe sich das operative Ergebnis im dritten Quartal um rund 1,5 Mrd. Euro verbessert. Auch die Deutsche Bank hatte im dritten Quartal von den gelockerten Regeln profitiert. Als eine der ersten europäischen Großbanken hatte sie von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, bestimmte Wertpapiere und Kredite nicht mehr mit dem Marktpreis zu bewerten. Diese müssen nun nur dann wertberichtigt werden, wenn sich ein dauerhafter Wertverfall abzeichnet. Damit sind die Regeln der Praxis in den USA angepasst worden.

Die RBS, die von der britischen Regierung eine Finanzspritze von bis zu 25 Mrd. Euro bekommt, hat nach Angaben ihres Finanzchefs im dritten Quartal in allen Banksparten einen Gewinn erwirtschaftet. Im Schlussquartal müsse das Institut wegen des weltweiten konjunkturellen Abschwungs allerdings mit weiteren Belastungen rechnen. Es gebe nach wie vor "signifikante Risiken" im Kreditmarkt und bei der Refinanzierung über den Kapitalmarkt. Eine konkrete Gewinnprognose sei daher nicht möglich.

An der Börse sorgten die negativen Aussichten für schlechte Stimmung: Der RBS-Kurs sackte um über 7 Prozent auf knapp über 60 Pence ab.

Am 20. November will sich die RBS auf einer Hauptversammlung die Zustimmung ihrer Aktionäre holen für die Kapitalerhöhung. Falls keine anderen Investoren daran teilnehmen, übernimmt die britische Regierung den kompletten Betrag. Sie würde damit künftig knapp 60 Prozent an der Bank halten. Die Regierung greift mit bis zu 46 Mrd. Euro der RBS, HBOS und Lloyds TSB unter die Arme. Die Institute bekommen wie Banken in Deutschland, die das staatliche Rettungspaket nutzen, hohe Auflagen für Managergehälter und Dividenden. (APA/Reuters)

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