Die unbekannte Jugend des Südkaukasus

4. November 2008, 13:58
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Armenier, Aserbaidschaner, Georgier und Österreicher haben das Heute und Morgen des Südkausus multimedial erarbeitet - Eine Ausstellung als Hoffnung und Chance

"Mein Land ist wie eine Grenze zwischen Asien und Europa, aber ich glaube nicht, dass diese geografische Lage viel bedeutet. Wir fühlen uns alle als Europäer", betont der Georgier Ani Lukhava (18). "Unsere Zukunftspläne, Hoffnungen und Wünsche sind mit Europa verbunden."

Über Armenien, Aserbaidschan und Georgien ist wenig bekannt unter EU-Bürgern - so lautete der Ausgangspunkt für das Projekt "Südkaukasus - ein Teil Europas" des Interkulturellen Zentrums, finanziert von der Europäischen Kommission und der "Austrian Development Agency".

Medienexperten, unter ihnen Standard-Redakteur Markus Bernath arbeiteten mit Jugendlichen des Borg 3 in Wien zusammen. Ebensolche Workshops fanden auch mit Jugendlichen in den drei Ländern des Südkaukasus statt.

Das Ergebnis: Fotos, Videos und Texte, die von Alltag und Zukunftsträumen im Südkaukasus sprechen. Sie sind ab Donnerstag, 6. November, in den Wiener Stadtbüchereien zu sehen. Mit der Ausstellung startet eine Informationskampagne zum Südkaukasus in Österreich.

Öl in einem kaputten Motor

"Ich weiß nicht, was nach dem Öl und Gas kommen wird, aber ich glaube, dass unser Land politisch sehr stark werden wird", meint Rustam Rahimki (20) aus Baku in Aserbaidschan. Mindestens zehn Jahre veranschlagt Rahimki für diesen Prozess, mühsam deshalb, weil dafür vor allem "alles erneuert und verändert werden muss, um die Korruption auszulöschen".

Auch der Armenier Varuzhan Sahakyan (22) aus Jerewan, sieht darin die Herausforderung der Zukunft für sein Land. "Die Korruption, das ist ein kaputter Motor, in den Öl geschüttet wird", sagt er. Wäre er Präsident, spinnt er fiktive Szenarien, hätte er vor allem ein Ziel: sich voll und ganz dem Kampf gegen die Korruption zu widmen. "Du müsstest dein ganzes Leben dafür aufgeben."

Der Georgier Lukhava sieht seit der Rosenrevolution einen riesigen Fortschritt, die Bestechlichkeit der Polizei sei eingedämmt worden. "Es gibt strengste Regeln und Kontrollen überall, es ist unmöglich, die Regeln zu brechen", sagt er. "Das ist gut, weil unsere Gemeinschaft so etwas braucht."

Das politische Problem ist für ihn "vor allem Krieg. Krieg ist immer ein Problem", aber das "können du und ich nicht ändern", meint er. Die Jugend habe Potenzial, wenn es darum gehe, die Gesellschaft zu verändern.

Das alle verbindende Problem unter jungen Menschen, meint Sahakyan, ist, dass "bei uns alle raus aus dem Land" wollen. "Ihr hier in Europa müsst nicht unbedingt nach Amerika gehen, um zu studieren. Ihr habt auch gute Unis in eurer Nachbarschaft."

Trotzdem: "Jeder von uns wird sagen, dass er stolz auf sein Land ist, mich eingeschlossen", betont Rahimki - "weil wir die nettesten Menschen der Welt sind. Ich mag unseren Lifestyle", führt Sahatkyan aus. "Man sagt, dass ein Armenier in Englisch schlechter ist als 15 andere, 15 Armenier sind aber nicht schlechter in Englisch als ein einziger." (Bath-Sahaw Baranow, Petra Polak/DER STANDARD, 4.11.2008)

Die Ausstellung ist von 6. 11. bis 26. 11. in den Stadtbüchereien Wien zu sehen. Es finden Parallelveranstaltungen statt.

  • "Wir fühlen uns alle als Europäer", erklärt der 18-jährige Ani Lukhava stellvertretend für die georgische Jugend. Zukunftspläne, Hoffnungen und Wünsche seien eng an die EU gebunden.
    foto: macharadze

    "Wir fühlen uns alle als Europäer", erklärt der 18-jährige Ani Lukhava stellvertretend für die georgische Jugend. Zukunftspläne, Hoffnungen und Wünsche seien eng an die EU gebunden.


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