Buy.me - Wie Montenegro zum Verkaufsschlager wurde

6. November 2008, 11:13
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Für Montenegro erweist sich die Top-Level-Domain .me als ein wahrer Glücksfall - Die Top-Namen können noch immer ersteigert werden

Ein erster wichtiger Schritt in der Geschichte des Internets geschah Anfang 1985 mit der Registrierung der ersten Domains symbolics.com und nordu.net. Etwa ein Jahr später gab es erst knapp 100 registrierte Adressen - die meisten gehörten Universitäten und Forschungseinrichtungen. Derzeit gibt es weltweit 168 registrierte Domains, so der aktuelle "Domain Name Industry Brief" des Domain-Verwalters VeriSign. Der Report berichtet von einem Rekordanstieg der Domains um ganze 18 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal 2008. Ein signifikantes Wachstum wurde auch bei den länderspezifischen Top-Level-Domains (ccTLDs, wie etwa .at) verzeichnet. Das Wachstum war zwar nicht so stark wie im vergangenen Quartal, als die Zahl der Länderendungen ist im Jahresvergleich um 33 Prozent explodierte, aber der derzeitige Anstieg von über 20 Prozent zeugt noch immer von rasanter Entwicklung der lokalen Internet-Communities.

.me für Montenegro

Im September 2006 nahm die ISO mit .me für Montenegro ein in neues Länderkürzel auf. Im Rennen um den Betrieb der neuen Top-Level- Domain hat sich die Registrierungsstelle Afilias durchgesetzt, die unter anderem auch die Top-Level-Domains .info und .org betreibt. Von Anfang an wurde vermutet, das .me eine beliebte ccTDL (Länder-Domain) werden könnte, denn sowohl im englischen als auch im serbokroatischen Sprachraum (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch) lassen sich mit „me“ (in beiden Sprachen „mich“) sehr ansprechend Wortkombinationen kreieren. So war es auch nicht verwunderlich, dass insgesamt 3000 .me-Domains der Öffentlichkeit zunächst vorenthalten werden. 2600 Top-Namen werden versteigert, 400 weitere Domainnamen sind für die montenegrinischen Behörden sowie Afilias reserviert.

Register.me

Die ersten Statistiken zur .me-Einführung Mitte Juli zeigten überraschende Erfolge: An den ersten beiden Tagen der Einführung über 50.000 .me-Domains registriert, nach 14 Tagen nahm .me bereits die Marke von 100.000. Der größte Anteil an Registrierungen entfällt auf die USA (50%) und England (11%). Nach Einschätzung von Predrag Lesic, dem Geschäftsführer des Registry-Betreibers, geht die große Nachfrage auf das starke Bedürfnis der Nutzer nach Persönlichkeit im Internet zurück. Dementsprechend werden unter .me vor allem persönliche Webseiten und Angebote im Kontext des "Social Networking" erwartet, so Lesic.

Verkaufsschlager?

Mitterweile sind auch die Kaufpreise einzelner .me-Domains bekannt. Die frei verfügbaren Namen toyota.me und only.me wurden etwa um 90.025 Dollar bzw. 33.405 Dollar verkauft. Ende September 2008 wurden in New York beim Treffen der Domainhändler T.R.A.F.F.I.C. gleich mehrere .me-Domains versteigert. Einen Käufer fanden unter anderem kiss.me für 20.000 Dollar (ca. 14.200 Euro, buy.me um 17.500 Dollar (12.411 Euro) und date.me um ganze 70.000 (49.650 Euro). Interessierte können laufende Auktionen weiterhin auf dem .me-Auktionsportal verfolgen. Für alle die mitbieten möchten gibt es beim großen Domain-Händler Sedo noch interessante .me-Domains zu kaufen, wie zum Beispiel bestmoney4.me oder mama.me.

Der .me-Domain wurden bereits große Erfolge prognostiziert. Montenegro hat das Glück ein Kürzel bekommen zu haben, das sich auch international vermarkten lässt. Einen echten Glücksfall bedeutete die ccTLD die Inselgruppe Tuvalu im Südwesten des Pazifischen Ozeans. Mit der Domain .tv erzielte das 26 Quadratkilometer kleine Inselreich fast 50 Millionen Dollar. Nach der ersten .me-Auktion landeten über zwei Millionen Dollar in der Kasse, damit wurde alle Rekorde bisheriger Domain-Auktionen gebrochen so der montenegrinische Registrator. Ob Montenegro einen ähnlichen Geldregen wie Tuvalu erwarten kann, bleibt noch abzuwarten, die meisten der Top-Namen sind noch unverkauft.

Neben den Länderkürzeln (ccTLD) gibt es noch eine große Anzahl von mehr oder weniger beliebten Top-Level-Domains. Wahre Kassenschlager sind natürlich .com oder .net, weniger beliebt ist etwa .biz. Heute sind fast 80 Millionen Domains mit dem Kürzel .com registriert, also etwas weniger als die Hälfte aller Adressen. Wem das Angebot an TLD, trotz wachsender Länderkürzel noch immer nicht groß genug ist, der kann sich auf nächstes Jahr freuen: Die ICANN hat entschieden, dass jeder seine eigen TLD registrieren kann. Wie wäre es zum Beispiel mit .thispagerocks, fragt der „Internet-Verwalter“. Derart personalisierte Adressen werden die Zahl der Domains wohl weiter in die Höhe steigen lassen.

Die Adressen gehen aus

Das rasante Wachstum des Internet hat allerdings auch ein bisher wenig beachtetes Problem verursacht. ICANN warnt seit einiger Zeit vor einer bedenklichen Entwicklung. Das bisher verwendete Internet-Protokoll IPv4 bietet nur begrenzten Raum für etwa vier Milliarden IP-Adressen. Nur noch 17% der möglichen IP-Adressen sind noch frei. Seit 1995 wird deswegen an dem Nachfolgeprotokoll IPv6 gearbeitet: Statt rund 4,3 Milliarden möglicher IPv4-Adressen bietet IPv6 340,28 Sextillionen möglicher IP-Adresse. IPv6 setzt sich bisher allerdings nur langsam durch, da der Umstieg komplex und kostspielig ist. Einige Wissenschaftler, wie etwa der Sicherheitsforscher Gordon Lyon, meinen, dass dieser Umstieg gar nicht nötig ist - wenn man die Adressen nur effizienter nützen wurde. Große Konzerne und Universitäten haben am Anfang des Internets ganze Adressen-Räume bekommen, die sie nie zur Gänze ausgeschöpft haben. (Olivera Stajic/ derStandard.at, 4. November 2008)

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    Glücksfall für Montenegro: Die Top-Level-Domain "me" ist ein Verkaufsschlager.

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