
Fest und frisch hängen die Grüner Veltliner-Trauben am Rebstock.
3. November - Allerheiligen hat die Blätter aus der Traubenzone vertrieben.
Fest und frisch hängen die Grüner Veltliner-Trauben am Stock, brüchig und fragil die Riesling-Trauben.
Am 30. November ist die 50. und vorläufig letzte Aufführung von "Hamlet 3" im Kasino am Wiener Schwarzenbergplatz angesetzt.
Der bekannte Monolog in der Winzerfassung:
"Lesen oder Nicht Lesen, das ist hier die Frage:
Ob's edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern
Des wütenden Geschicks erdulden oder,
Sich waffnend gegen eine See von Plagen,
In Widerstand zu enden? Sterben - Schlafen -
Nichts weiter!"
Täglich rieseln Traubenteile zu Boden, Vögel und Rehe picken an den gelben Beeren mit köstlichem Geschmack und bringen mit ihrem Schütteln die Nachbarstrauben zu Fall.'
Eigentlich müssten wir die Trauben jetzt so schnell wie möglich runternehmen - aber erstens schaffen wir nicht alles auf einmal und vielleicht wird's noch besser?
Highlight der vorigen Woche: perfekt reife Chardonnay- und Pinot Noir-Trauben.
Sehr günstig jetzt: die Begrünung zwischen den Zeilen hat die überschüssige Flüssigkeit aus dem Boden geholt, der Oktober war mit nur 20 ml Niederschläge vorwiegend trocken, der Wind hat aus den prall gefüllten Beeren das überschüssige Wasser entfernt. (Willi Bründlmayer)
Die späteren Früchte sind normalerweise die feineren, meint Willi Bründlmayer
Willi Bründlmayer, Winzer im niederösterreichischen Kamptal, schreibt im Rahmen einer Kooperation auf derStandard.at über die Weinwerdung seiner Trauben
Trübes und feuchtes Herbstwetter drückt auf das Gemüt des Winzers, der seine Ernte noch nicht beendet hat
Grüner Veltliner, Riesling, Pinot Gris und fast alle Rotweinsorten wurden schon geerntet
Heißer Tee, das beste Mittel im Weingarten gegen kalten Nordwind
Geerntet wird nach dem Alter der Rebstöcke - Die Hauptlese hat langsam begonnen
Von der Blüte bis zur Lese: Im ersten Eintrag berichtet Willi Bründlmayer über die Ernte für Traubensaft und Sektgrundwein
wir füllen jedes jahr je füllung ca 120 flaschen mit stelvin, die wir für verkostungen zu hause oder bei messen, nicht aber für den verkauf verwenden. ein teil davon kommt in die vinothek. nach einigen jahren vergleichsverkostungen wissen wir, ob stelvin oder naturkork langfristig die besseren weine ermöglicht. die nachteile des naturkorks sind offensichtlich, trotzdem hängt mein herz dran. langfristig wird es aber eine vernunftentscheidung geben. ich hab aber den glauben an den naturkork noch nicht ganz aufgegeben.
der geschmack der trauben wird tatsächlich allmählich speziell. frostrauchigkeit mag in den nächsten wochen eintreten, passt doch gut zu einem lamm oder käferberg. die geradlinigen trinkweine sind schon im keller bzw.werden jetzt geerntet. was wär der weinbau ohne griff zu den sternen? immer wieder positivbeispiel für sehr späte ernte: die hirtzbergers … nichts gegen rotes tor, aber über eine flasche endenovembersingerriedel freu ich mich noch mehr. du nicht auch florian?
wer bin ich, dass ich dem willi bründlmayer ratschläge erteilen will, aber: pfeif auf zucker-gradation. die physiologische reife ist eh schon abgeschlossen, beziehungsweise wird sich nicht mehr weiter entwickeln, oder? das einzige, was man sich jetzt noch einfangen kann, ist frostton, schimmel und schmerzlich reduzierte erträge. hohes risiko im vergleich zu dem bisschen eintrocknung, die jetzt vielleicht (vielleicht auch nicht) noch kommen kann. ich find’s okay, wenn sich große weine durch nuancen und terroir definieren und nicht so sehr durch alkohol und wucht. aber das sehen nicht alle so, schon klar ...
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