Wenig Preistransparenz bei Billigairlines

4. November 2008, 09:56
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Seit 1. November müssen Ticketpreise mit allen Kosten angezeigt werden. Das Reiseinfo-Portal fliegen-sparen.de hat die Low Cost Carrier getestet

Laut der neuen EU-Verordnung müssen seit 1. November 2008 Flugtickets preistransparent angeboten werden. Das heißt, dass sämtliche Steuern und Abgaben klar erkennbar aufgelistet werden müssen. Ebenfalls untersagt ist es, Reisenden zusätzliche Gebühren und dessen Einverständnis zu verrechnen. Dazu gehören etwa Reise- oder Rücktrittsversicherungen, die bisher auf den Internetbuchungsseiten sehr oft bereits automatisch markiert und für den Kunden leicht zu übersehen waren.

Nur die Hälfte der Billigairlines setzt die neue Regelung um

fliegen-sparen.de hat in einem Blitztest die Billigflieger getestet und kam dabei zu dem Ergebnis, dass nur die Hälfte der Anbieter die neuen Regelungen vollständig berücksichtigt. Gestestet wurde Air Berlin, Easyjet, Ryanair, SkyEurope, Wizzair, Flybe, Germanwings und Norwegian.

Reiseversicherungen und "Rollstuhlgebühr"

Nicht einhundertprozentig an die neue Bestimmung hält sich Air Berlin. Hier wird die Service Charge von zehn Euro erst nach der allgemeinen Preisübersicht zum Flugpreis addiert.

EasyJet verdonnert Kunden nach wie vor zur Buchung einer Reiseschutzversicherung ohne vorher ausdrücklich nach zu fragen, wie es das neue Gesetz verlangen würde. Die Gebühr für ein Gepäckstück - elf Euro - wird automatisch auf den Flugpreis aufgerechnet.

Der irische Billigflieger Ryanair ist laut dem Testergebnis von fliegen-sparen.de ganz und gar unübersichtlich. Hier ist beispielsweise das kostenpflichtige "Priority Boarding" bereits automatisch ausgewählt und auch der Reiseschutz, der mit zwölf Euro zu Buche schlägt, wird dem Kunden aufs Auge gedrückt. Außerdem versteckt sich in den Steuern und Gebühren die untersagte "Rollstuhlgebühr" - 5,99 Euro pro Flug-, die sich auch nicht entfernen lässt. Der Endpreis, inklusive der Kosten für ein Gepäckstück und den versteckten Gebühren, war schließlich um rund 30 Euro teurer als der erstgenannte Preis in der Übersicht. Dabei waren der Reiseschutz und das Priority Boarding bereits deaktiviert. Will man die Reiseversicherung entfernen, öffnet sich zudem neuerlich ein Fenster, das für einen Versicherungsabschluss wirbt.

Keins, eins, viele Gepäckstücke

Nicht viel besser ist die Situation bei SkyEurope. Hier lassen sich zwar die Servicegebühren durch einen Zusatzklick leicht aufschlüsseln, allerdings ist auch hier die Reiseversicherung automatisch aktiviert. Der Preis für ein Gepäckstück pro Flug wird automatisch auf den Flugpreis aufgeschlagen und muss von Kunden, die ohne gechecktes Gepäck oder mit mehr als einem Gepäckstück fliegen, erst händisch deaktiviert werden.

Einzig Wizzair, Flybe, Germanwings und Norwegian haben sämtliche Regelungen umgesetzt. Hier können die Gebühren durch einen Klick eingesehen werden und es sind keine Zusatzoptionen ausgewählt. (red)

  • Vorbildlich im Billigflieger-Segment: Wizzair, Flybe, Germanwings und Norwegian.
    foto: wizzair

    Vorbildlich im Billigflieger-Segment: Wizzair, Flybe, Germanwings und Norwegian.

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