Barack Obama wird neuer Präsident der Vereinigten Staaten

06. November 2008 06:58
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Der Wahlsieger: "Der Wechsel ist gekommen" - Einladung an Verlierer John McCain zur Zusammenarbeit

Chicago - Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama ist in der Nacht auf Mittwoch im Grant Park in Chicago vor seine Anhänger getreten, um sich zum Wahlsieger zu erklären. "Alles ist möglich in Amerika", erklärte Obama, der auf "die Stärke unserer Demokratie" hinwies. Amerika habe eine Botschaft an die Welt gesandt.

"Weil ihr heute getan habt, was ihr getan habt, ist der Wechsel gekommen", nahm Obama vor rund 150.000 begeisterten Anhängern sein Wahlkampfmotto noch einmal auf. Die Amerikaner hätten die Botschaft an die Welt geschickt, "dass wir nie nur eine Ansammlung einzelner Individuen waren, sondern tatsächlich die 'Vereinigten Staaten von Amerika'."

Obama sprach seinem unterlegenen Gegner John McCain Anerkennung für dessen Wahlkampf, aber auch die faire Anerkennung seiner Niederlage aus: "Ich freue mich darauf mit ihm zusammenzuarbeiten." Neben seinem künftigen Vizepräsidenten Joseph Biden dankte Obama vor allem seiner Frau Michelle - "dem Fels der Familie" - für ihre Unterstützung und erinnerte an seine Großmutter, die am Vortag seines Triumphes gestorben war: "Ich weiß, sie schaut zu."

Obama betrat die mit zahlreichen US-Flaggen geschmückte Bühne im Chicagoer Grant Park unter tosendem Jubel zehntausender Fans gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern. Viele Menschen im Publikum weinten Freudentränen, immer wieder brach die Menge in begeisterte "Yes, we can"-Chöre aus

Kurz vor der Rede Obamas hatte sein Sprecher Robert Gibbs erklärt, der Wahlsieger habe seinen unterlegenen Konkurrenten John McCain um Mithilfe bei der Führung der USA gebeten. Gibbs sagte, McCain habe Obama um 23.00 Uhr (05.00 Uhr MEZ) angerufen und seine Niederlage eingeräumt. Obama habe McCain gedankt und ihm gesagt, dass er einen harten Wahlkampf geführt habe. Dabei habe sich der republikanische Politiker stets ehrenhaft verhalten. Obama sagte nach Angaben seines Sprechers zu McCain: "Ich brauche ihre Hilfe, Sie sind ein Führer in so vielen wichtigen Fragen."

Wählerstimmen erreicht

Obama wird der 44. Präsident der USA. Nach übereinstimmenden Berichten von US-Sendern hat Obama Mittwoch früh die nötige Zahl von mindestens 270 Wahlmännerstimmen auf sich vereint. Erstmals in der Geschichte der USA wird damit ein Afroamerikaner Präsident.

Nach der Bekanntgabe brachen die zehntausenden Menschen, die in Chicago auf den Auftritt Obamas warten, in begeisterten Jubel aus. Obamas Konkurrent, der republikanische Senator John McCain, gestand seine Niederlage umgehend ein, in Phoenix im US-Staat Arizona trat er vor seine Anhänger und erklärte, er habe Obama bereits telefonisch gratuliert.

Obama konnte den Hochrechnungen zufolge, noch bevor in allen Staaten die Wahl überhaupt beendet war, mit 333 mehr als doppelt so viel Wahlmännerstimmen wie McCain für sich gewinnen. "Das amerikanische Volk hat gesprochen und es hat klar gesprochen", resümierte McCain. Der 72-Jährige erinnerte an die Meinungsverschiedenheiten im Wahlkampf und rief zugleich seine Anhänger auf, dem nächsten Präsidenten mit "gutem Willen" gegenüberzustehen.

Auch Amtsinhaber George W. Bush gratulierte dem Demokraten nach Angaben des Präsidialamtes. Obama wird die Regierung des Republikaners George W. Bush ablösen, die in den vergangenen acht Jahren vor allem durch ihre Außenpolitik international an Ansehen verloren hatte. Die USA stehen wegen der weltweiten Finanzkrise zudem vor schweren wirtschaftlichen Problemen. Der neue US-Präsident wird am 20. Jänner sein Amt antreten.

Zwischenstand siehe aktuelle Grafik >>>

Sehr hohe Wahlbeteiligung

Zu den US-Präsidentschaftswahlen sind nach Behördenangaben so viele Bürger zu den Urnen geströmt wie nie zuvor. Im Swing State Missouri rechnete die Wahlleitung am Dienstag (Ortszeit) mit einer Rekordbeteiligung von 78 Prozent, in Ohio zeichnete sich nach Angaben der dortigen Behörden eine Beteiligung von 80 Prozent ab.

"Die Beteiligung ist sensationell", sagte auch der oberste Wahlleiter von Virginia, Jens Jensen. Bis zehn Uhr am Vormittag hätten bereits 40 Prozent der registrierten Wähler ihre Stimme abgegeben. In Missouri registrierten sich allein 342.000 Neuwähler, in mehreren Wahlbezirken waren lange Schlangen zu sehen. Auch in North Carolina wurde trotz strömenden Regens mit einer Rekordbeteiligung von 70 Prozent gerechnet.

Probleme halten sich in Grenzen

Trotz der hohen Wahlbeteiligung hielten sich die technischen Probleme offenbar in Grenzen. Aus den Staaten Florida, Missouri, Ohio und Virginia, in denen sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem demokratischen Kandidaten Barack Obama und seinem republikanischen Konkurrenten John McCain andeutete, wurden zunächst keine größeren Vorkommnisse gemeldet. In Ohio seien "auf unerklärliche Weise" Wähler von den Registrierunglisten gestrichen worden, berichtete die Wahl-Website 866ourvote.com. In Virginia funktionierten einige optische Lesegeräte der Wahlcomputer nicht richtig, manche Wahlbüros öffneten erst mit Verspätung. Auch aus zwei Bezirken in Sarasota im Bundesstaat Florida kamen Berichte über defekte Wahlmaschinen, die ersetzt werden mussten. (APA/AFP/red)


Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1596
Sunny Boy3
08.11.2008 15:28
Türkisch-Stämmiger Bundeskanzler..???

In Deutschland oder Österreich???

Mal sehen wann die Europäer so weit sind???

Im Jahr 3015 vielleicht???

Gemurr Gemurr
09.11.2008 22:03
Zumindest im den nächsten 30-40 Jahren

kaum vorstellbar.

Walter Angelli
09.11.2008 19:01

na hoffentlich nie!

Sunny Boy3
11.11.2008 00:12

Dass zeigt das wahre Gesicht Europas..

Varghese
09.11.2008 16:11
Wo denken Sie hin?

Das ist ja schon in 1000 Jahren!

pirat2
 
08.11.2008 00:09

Auf jeden Fall hat die USA jetzt wieder ein sympatisches Gesicht.
Hoffentlich kann er einen Teil dessen was er sich vorgenommen hat auch umsetzten :-)

EU-Austretter
08.11.2008 09:53

na hoffentlich setzt er nicht gerade seine Kriegspläne gegen Pakistan um

MagnaMater
07.11.2008 16:02

Ich weiss nicht, ob das hier schon verlinkt ist: es ist sooo nett, das muss man sich einfach anhören:
http://www.youtube.com/watch?v=6... re=related

manfred maier
manfred maier
07.11.2008 12:36
us wahlen - weisse: obama 43%, mc cain 55%

afroamerikaner: 95% zu 4%, latinos: 66% zu 31%, asiaten: 61% zu 35%......
was in den medien u.a. grossartig als "überwindung des rassismus" gefeiert wird, ist wohl eher dem extrem kostenspieligen wahlkampf von obama und seinen unbestrittenen qualitäten zu mobilisieren zu verdanken.
die höchste wahlbeteiligung seit über 100 jahren brachte jene nicht-weissen an die urnen, welche in der regel die "us demoratie" nur im fernsehen verfolgen (teilweise können).
reagan hat mit seiner "konservativen revolution" rund 95% aller wahlmänner abgeräumt.
der vergleichsweise mickrig ausgefallene sieg obamas ist alles, nur kein bekenntnis zu einem nachhaltigen wechsel.

siu
07.11.2008 16:12
jein. Ihre argumentation trifft im süden sehr wohl zu, nicht aber für den rest der usa.

Ihre argumentation würde bedeuten, dass obama gegenüber bush vor allem in den regionen zugelegt hat, wo wenige weisse wohnen. das trifft zwar auf die latinos zu, er hat im westen texas, in NM, CO, NV klar zugelegt.

obama hat aber auch im norden, selbst in states in denen er keinen wahlkampf gemacht hat, praktisch ebenso klar zugelegt, und dort gibts praktisch nur weisse.

kerry gewann 41% der weissen, obama gewann 43% (alle states zusammen). er hat also auch mehr weisse hinter sich als der demokratische kandidat vor vier jahren, und das sowohl in absoluten als auch in relativen zahlen.

allerdings trifft das nicht auf den süden zu. da hat er weniger gemacht als kerry, vor allem dort wo (relativ) wenige schwarze wohnen.

Odo
08.11.2008 05:51
Eine Anmerkung von mir zu einem anderen Thema. Sie haben in einem Posting vor einigen Tagen gefragt, ob die Wahlmänner und -frauen schon vor dem Wahltag festgelegt sind.

Das ist natürlich der Fall. In einigen Bundesstaaten stehen die Wahlmänner sogar mit auf dem Stimmzettel.

http://derstandard.at/?url=/?id... 4776628423
http://www.thegreenpapers.com/G08/EC-Ap... nted.phtml

manfred maier
manfred maier
07.11.2008 19:48
weisse wählen mit grosser mehrheit mc cain.....

....d`accord mit ihrer aufschlüsselung, welche allerdings nichts am im titel zusammengefassten schlichten fakt ändert.
wenn sie zudem in betracht ziehen, dass der umstand des wesentlich grösseren einsatzes von mitteln durch obama und die "gerade rechtzeitig" geplatzte blase "freier markt" das wahlergebnis stark beeinflussten, ergibt dies eine ahnung wie knapp die usa und der "rest der welt" einem duo infernale namens mc cain/palin entronnen ist.
auf jeden fall ist nicht ersichtlich, wie aus den (auch von ihnen angeführten) zahlen eine "überwindung des rassismus" abzuleitet werden kann.
ist es eine "überwindung des rassismus", wenn es einem afroamerikanischen kanditaten gelingt, die afroamerikaner, latinos und asiaten zu gewinnen?

siu
08.11.2008 13:51

naja, wir wissen nicht was passiert wäre, wenn obama weiss wäre. es gibt also keinen beweis, weder für die "überwindung des rassismus" noch für die "nicht-überwindung des rassismus".

beweise gibts nicht, aber indizien. obama hat gegenüber kerry in den nördlichen republikanischen states (wie z.b. south dakota, idaho, utah) stark zugeglegt, gegenüber kerry. in diesen states hat obama keinen wahlkampf betrieben, der einsatz der mittel kann das also nicht erklären. auch die wirtschaftskrise ist in diesen ländlichen states nicht so besorgniserregend wie in den industriellen gebieten. wenn rassismus eine rolle spielte, dann müsste man erwarten, dass obama in diesen gebieten WENIGER zuletgt als anderwo. was aber nicht der fall ist.

manfred maier
manfred maier
09.11.2008 15:39
"weisse wählen mit grosser mehrheit mc cain....." diesne unbestreitbaren fakt können wir stehen lassen?

...und dann möge sich doch jeder selbst seine schlüsse daraus ziehen?

siu
09.11.2008 16:21

naja, weisse wählten auch mit grosser mehrheit bush (mit grösserer mehrheit als bei mccain!), und schwarze mit grosser mehrheit kerry.

weisse wählen traditionell mit grosser mehrheit republikanisch, und schwarze mit grosser mehrheit demokratisch.

aus der grossen mehrheit der weissen die mccain wählten kann man also nicht rassismus ableiten (denn bei kerry-bush sah es ganz ähnlich aus, aber das waren zwei weisse)

manfred maier
manfred maier
09.11.2008 16:57
wollen sie damit sagen, dass die aufschlüsselung des wahlergebnisses nicht stimmt?

...was soll ihr "na ja"?
andeuten, dass eine grosse weisse mehrheit für mc cain doch keine ist?
zum rest habe ich ja deutlich gemachrt, dass sich jeder selbst seinen reim machen sollte.
die ausgangslage zum reimen sollten sie vernüftigerweise aber anerkennen.

Zenon
07.11.2008 23:38
.

Ich hoffe, es ist nicht, Rassist zu sein, das einzige, was Wähler dazu bewegen konnte McCain zu wählen.

van.der.stiege
07.11.2008 13:59
intressante zahlen...

... von wo haben sie die her?

manfred maier
manfred maier
07.11.2008 19:43
interessante zahlen.....

...in diesem falle "die presse", 6.11., seite 2 "USA"....
die deatils sind weiter aufgeschlüsselt (u.a. wahlmänner für den sieger seit 32, wahlverhalten nach alter, nach einkommen, nach geschlecht,....
(zudem gute homepage zur us wahl!).
die daten zeigen klar: bei einer der sonst üblichen tiefen wahlbeteiligung wäre nun ziemlich klar mc cain (durch die weissen) gewählt.
wie aus diesen fakten eine "überwindung des tief verwurzelten us rassismus" abgeleitet werden kann, bleibt ein mediales mirakel.

Eric Red
 
07.11.2008 22:17
interessante zahlen

zur information:
seit 1988 hat nur EIN(!) präsidentskanditat der demokratischen partei mehr "weisse" stimmen als barack obama bekommen, und zwar bill clinton in 1996 (46%). sonst haben kerry, gore, dukakis und selbst clinton (1992) alle bis maximal 44% der weissen stimmen gewinnen können. daher hat der relativ niedrigen anteil wesentlich mehr mit parteizugehörigkeit, bzw. ideologie zu tun als mit rassismus.

manfred maier
manfred maier
07.11.2008 22:28
"....daher hat der relativ niedrigen anteil wesentlich mehr mit parteizugehörigkeit..."

...das mag in teilen sicher zutreffen.
obama hat zudem eine (knappe) mehrheit bei den weissen wählerInnen bis 30 jahre errungen.....vielfach erstwähler, welche einfach die nase voll von der bush kamarilla hatten.
nach wie vor bin ich der ansicht, aus den verfügbaren zahlen lasse sich nicht per se die "überwindung des rassismus" ableiten.

Zenon
07.11.2008 23:52
.

Natürlich ist allein die Tatsache, dass es eine Korrelation zwischen Hautfarbe und Wahlverhalten gibt, ein Hinweis auf eine Ungleichheit, der zu denken geben sollte.

Es gibt aber auch eine Korrelation zwischen Hautfarbe und Heimatstaat, Einkommen, etc. Der Zusammenhang zwischen Hautfarbe und Wahlverhalten wird also möglicherweise z.B. durch den Einfluss der Lebenssituation (Einkommen etc.) auf das Wahlverhalten vermittelt.

Afro-Amerikaner haben schon früher eher demokratisch gewählt.

Wenn man aus unterschiedlichen Wahlverhalten gleich einen Rassenkonflikt ableiten will, müsste man Österreich einen starken Generationenkonflikt, einen Berg-Tal-Konflikt, und einen Ost-West-Konflikt diagnostizieren. Stacheldraht zwischen Wiener Bezirken.

manfred maier
manfred maier
08.11.2008 14:36
sehr eloquente ausführung......

...an dessen ende dann die erkenntnis stehen müsste, dass wir über rassismus im konkreten falle gar nicht diskutieren müssen, da er sich keinesfalls zweifelsfrei feststellen lässt.
das scheint mir kein besonders hilfreicher ansatz, um rassismus zu überwinden.

zinn glaeckl
07.11.2008 12:31
"Ich brauche Ihre Hilfe, Sie sind ein Führer in so vielen wichtigen Fragen."

Das sagt in einer solchen Situation nur ein schwacher Politiker -
oder ein besonders starker, der weiß, wie er noch stärker werden kann.

Unsere Politiker umgeben sich in der Regel nur mit Ja-sagenden Vasallen - fähige, starke Leute? - aus bekannten Gründen - lieber nicht!

Dies gilt vor allem für die Besetzung aller öffentlichen Positionen, wo die politischen Parteien das Sagen haben. Folge: Das Mittelmaß ist das Maß aller Dinge.

Sachdienliche Kritik oder andere Meinungen werden von den meisten Politikern vor allem als Majestätsbeleidigung oder Abweichlertum im besten bolschewistischen Sinn wahrgenommen.

Ein dummes, weil den Interessen der Republik - und ebenso auch den eigenen Interessen - höchst schädliches Verhalten.

gelegentlich heiter
07.11.2008 10:51
Einfach so ärgerlich,

es reicht nicht zu sagen "Mutter Amerikanerin, Vater Kenianer", es muss unbedingt noch "Weiße" dabeistehen, und nicht nur "Afrikaner aus Kenia" (no na), sondern auch noch "Scwarzafrikaner".

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