"Die Streitereien brauch ich nicht"

3. November 2008, 20:54
181 Postings

Obwohl Karel Brückner Interesse zeigt, steht Mario Haas dem Nationalteam nicht zur Verfügung: "Warum jetzt, wenn es um nichts geht?"

Wien/Graz - "Ich habe gar nicht anders können, als es mit der Ferse zu versuchen. Hätte ich mich umgedreht und es mit einem Heber probiert, hätte ich mir wahrscheinlich das Kreuzband gerissen." Das sagt Mario Haas, der also am Sonntag aus einer Notlage heraus quasi wie gemalt das 3:1 von Sturm Graz bei der Austria fixierte.

Trainer Franko Foda, schon von der Dominanz seiner Truppe im Horr-Stadion entzückt, war nach dem Streich seines Kapitäns hin und weg. "Das war nicht das Tor des Monats, es war das Tor des Jahrhunderts." Haas glaubt sich aber an ein ähnlich schönes Tor gegen Rapid erinnern zu können, "vor sicher zehn Jahren", gegen Michael Konsel. Fix ist, dass es Haasens 131 Treffer in Österreichs höchster Spielklasse war (bei 358 Partien). In der ewig genannten Schützenliste liegt der 34-jährige Grazer damit gleichauf mit dem Tiroler Christoph Westerthaler auf Rang sechs.

Wie weit er noch vorstoßen kann - die nächste Marke wären die 156 Tore von Alfred Drabits -, lässt Haas offen. Sein Vertrag bei Sturm läuft noch eineinhalb Saisonen, "solange ich fit bin, und ich bin sehr fit, will ich spielen. Es macht bei Sturm großen Spaß." Auch einen Transfer, etwa nach Japan oder in den arabischen Raum, kann er sich noch vorstellen, "wenn man mich mit Geld zuschüttet".

Nicht vorstellen kann sich Haas ein baldiges Comeback im Nationalteam. Teamchef Karel Brückner, Augenzeuge des Traumtores, stellte die Einberufung für das Testspiel gegen die Türkei am 19. November in Aussicht. "Wenn Not am Mann ist, spiele ich gerne. Aber warum jetzt, wenn es um nichts geht?", fragt sich Haas, um dann in alten Wunden zu stochern: "Bei der EURO hat man mich nicht gebraucht, in den ersten vier WM-Qualifikationsspielen auch nicht. Die Quali ist zu 90 Prozent verloren. Wozu braucht man mich? Bei dem Wirbel, der jetzt im Team herrscht, soll ich mich reinsetzen? Die Streitereien brauch ich nicht." Kurzum: Haas will es vorerst bei 43 Länderspielen bewenden lassen. (Sigi Lützow; DER STANDARD Printausgabe 4. November 2008)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mario Haas lässt es bei 43 Länderspielen bleiben.

Share if you care.