Wahlcomputer auf dem Rückmarsch

3. November 2008, 19:49
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Im Vergleich zu 2004 zehn Millionen Amerikaner weniger beim umstrittenen E-Voting

Die niederländische NGO "Wir vertrauen den Computern nicht" (www.wijvertrouwenstemcomputersniet.nl) hat in diesem Jahr einen Sieg errungen, von dem Hardliner in den USA nur träumen: Die Regierung in Den Haag entschied im vergangenen Mai, bei Wahlen künftig komplett auf die elektronische Stimmabgabe im Wahllokal zu verzichten.

Die Wahlbehörden in den Niederlanden, Vorreiter beim E-Voting in Europa, mussten einräumen, dass die Computer zu unsicher seien und in der Vergangenheit zu fehlerhaften Stimmergebnissen führten; Hacker konnten die Software leicht knacken und zum Beispiel nebenbei ein Schachprogramm laufen lassen.

Doch auch die Wahlen in den USA am heutigen Dienstag könnten zugleich Höhepunkt und Wende beim E-Voting sein: Mit 37 Prozent ist der Anteil von Wahlcomputern mit Touchscreen oder Scanner zwar weiter gewachsen (29 Prozent waren es bei der Präsidentschaftswahl 2004, knapp 33 Prozent bei den Kongresswahlen 2006); gemessen an der neuen Zahl registrierter Wähler werden dieses Mal aber zehn Millionen Amerikaner weniger elektronisch wählen. "Aktivisten und Politikwissenschafter haben diese Schlacht gewissermaßen gewonnen", meinte Kimball Brace, die Direktorin der Consultingfirma Election Data Service in Washington.

Die Gegner des E-Voting weisen nun auf die Problemstaaten hin: In Pennsylvania und Virginia, wo man nicht vor dem Wahltag die Stimme abgeben konnte, würden Computerausfälle zu massiven Problemen führen; in Lousiana, Georgia und South Carolina spucken die elektronischen Wahlmaschinen immer noch keinen Papiernachweis für den Wähler aus.

Angebliche Beweise von "vote flipping" - man tippt auf den Namen des einen Kandidaten, der Computer registriert den anderen - füllen bereits das Archiv von YouTube. E-Voting macht die Beobachtung von Wahlen grundsätzlich problematisch, wie die OSZE vergangene Woche in einem Papier feststellte. Sie hat 70 Beobachter in die USA entsandt. (mab)


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