Maschinen, Rekorde und 10.000 Anwälte

3. November 2008, 22:58
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Rekordwahlbeteiligung und erneut lange Wartezeiten für Wahlwillige werden erwartet

Das US-Wahlsystem ist ungefähr so kompliziert wie Raketentechnologie. Heuer gab es so viele "early voters" wie noch nie, eine Rekordwahlbeteiligung und erneut lange Wartezeiten für wahlwillige US-Bürger werden erwartet.

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Ein Blick auf die Karte, eine Erinnerung vor allem an das Jahr 2000 genügen, um zu wissen: Das Wahlsystem in den Vereinigten Staaten von Amerika ist so kompliziert und fehleranfällig wie kaum ein anderes. Je nach Bundesstaaten sind normale Wahlzettel, Lochkarten, elektronische oder mechanische Wahlmaschinen im Einsatz. Die US-Bundesbehörden haben in dem Wahlprozess wenig zu melden, die (Kontroll-)Macht liegt vor allem bei den Wahlleitern der einzelnen Staaten und den Gouverneuren.

Gewählt allerdings wird nicht nur am 4. November. Es gibt für die US-Bürger auch die Möglichkeit, per Brief abzustimmen (in allen Bundesstaaten) oder als "early voters" (in 34 Bundesstaaten) schon Tage und Wochen vor dem eigentliche Wahltermin zu den Urnen zu gehen. Damit sollen lange Wartezeiten vor den Wahllokalen vermieden werden, die üblicherweise mit viel zu wenigen und meist nur schlecht ausgebildeten Wahlhelfern besetzt sind.

In der Tat gab es allerdings auch heuer Warteschlangen für die "frühen Wähler", denn deren Andrang war größer, als die Behörden angenommen hatten. Bis zu einem Drittel der Wähler (2004 waren es noch 22 Prozent) sollen in den vergangenen Wochen früher abgestimmt haben. In Georgia gab es ein Plus von 100 Prozent, in Tennessee immerhin 25 Prozent, und in Florida - dort gab es nach einem Wahlchaos im Jahr 2000 eine einmonatige Hängepartie um das endgültige Ergebnis, George W. Bush gewann schließlich mit etwas mehr als 500 Stimmen Vorsprung - hielten die Brief- und Frühwähler schon am Wochenende bei mehr als drei Millionen. Die Wahlbeteiligung insgesamt könnte von 122 Millionen auf 130 Millionen Bürger steigen, schätzen Experten.

Florida übrigens ist auch diesmal Fokus möglicher juristischer Anfechtungen. Das Lager des Demokraten Barack Obama hat zuletzt rund 10.000 Anwälte als freiwillige Helfer und Wahlbeobachter angeworben, und die Hälfte davon wurde quasi prophylaktisch in den Sunshine State geschickt. Ein Al-Gore-Schicksal für den afroamerikanischen Senator sollte ausgeschlossen werden.

Die ersten Wahllokale öffnen heute, Dienstag, gegen Mittag österreichischer Zeit. Die letzten - auf Hawaii - schließen erst am Mittwoch gegen 7 Uhr MEZ. Die Ergebnisse in den einzelnen Bundesstaaten allerdings werden bekanntgegeben, sobald sie vorliegen.

Den Anfang macht der mittelwestliche Bundesstaat Indiana um Mitternacht. Dort lagen die Republikaner lange vorne, zuletzt allerdings holte Obama auf, und in letzten Umfragen stand es dort Spitz auf Knopf. Dann folgen Mittwoch um 1.00 Uhr früh Virginia, Georgia und Teile Floridas. Um 1.30 Uhr sind das hart umkämpfte Ohio und North Carolina an der Reihe, eine halbe Stunde später dann die restlichen Counties in Florida.

Verliert John McCain auch nur einen dieser Staaten, dann hat er kaum noch eine Chance, genügend Wahlmänner für einen Sieg zu holen. Denn die westlichen Bundesstaten tendieren eher zu Obama, nach langjähriger republikanischer Dominanz auch jene in den Rocky Mountains wie Colorado und New Mexico.

In den letzten Umfragen hat der demokratische Senator aus Illinois auf Bundesebene wie in einzelnen Bundesstaaten seinen Vorsprung aus den vergangenen Wochen gehalten - bei Reuters/Zogby - oder sogar noch etwas ausgebaut: Die New York Times und ABC präsentierten am Montag Daten, die einen Vorsprung Obamas von elf Punkten vor John McCain zeigten (54 zu 43 Prozent). (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2008)



  • Homer Simpson tut sein Bestes.

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  • Es reicht nicht.

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  • Statt Barack Obama wählt die Maschine John McCain ...

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  •  ... und frisst den aufrechten Springfielder Demokraten schließlich noch.

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