Flugzeugunglück bei Graz: Ein Co-Pilot hätte Absturz vielleicht verhindern können

3. November 2008, 18:50
20 Postings

Zweierbesatzung nur bei Businessflügen Pflicht

Graz - Es sind Unfälle, an die sich selbst die Hartgesottenen unter den Einsatzkräften nur mit Zögern erinnern. Das zweimotorige Flugzeug des Typs Piper Seneca PA 34 war am Sonntagabend völlig zerschmettert in einem Wald in der Nähe des Grazer Flughafens aufgefunden worden. Von den drei Insassen, dem 57 Jahre alten Grazer Piloten, dessen 32 Jahre alten Tochter und deren Cousine (39) waren nur noch verkohlte Torsi vor Ort. Zur Auffindung der Überreste wurde am Montag ein speziell trainierter Hund eingesetzt.

Auch am Tag danach waren die erhebenden Experten weit von einer Erklärung des Unfallhergangs entfernt. Für Josef Mündler von der steirischen Motorflugunion steht nur so viel fest: Es sei ein Privatflug gewesen, die Maschine beim Abflug von Salzburg sowie am Tag zuvor bei einem anderen Flug "völlig in Ordnung gewesen", es habe genug Sprit gegeben, und auch das Wetter könne als Ursache fast ausgeschlossen werden. Zudem: Der Tower verzeichnete keine Hilfs- oder Notsignale.

Anspruchsvolles Fluggerät

Einen womöglich entscheidenden Punkt spricht der erfahrene Pilot, Flight Examiner (Pilotenprüfer) und Aeroclub-Präsident, Wolfgang Malik, im STANDARD-Gespräch an. Das Flugzeug zähle nicht mehr zu den leichten Sportmaschinen, sondern bereits zu den anspruchsvollen Fluggeräten, die auch zu Businessflügen eingesetzt werden. Für diese gewerbliche Nutzung sei es nicht erlaubt, alleine zu fliegen.

Malik, im Hauptberuf Manager: "Es ist gesetzliche Vorschrift, dass im Cockpit ein Co-Pilot sitzt." Die Piper Seneca alleine zu fliegen, wie dies für Privatflüge erlaubt ist, sei durchaus ein Risiko. Denn wenn mehrere Gefahrenfaktoren zusammenkämen, sei es schwierig, diese schon sehr komplexe Maschine alleine zu steuern, "noch dazu, wenn man unter Stress gerät". (Walter Müller/DER STANDARD-Printausgabe, 04.11.2008)

 

Share if you care.