Der blaue Präsident des FC Hellas Kagran

3. November 2008, 18:45
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Betrifft: Martin Graf, der Fußball und die Politik

Martin Graf ist "Präsident" des Fußballvereins FC Hellas Kagran, der auch eine Frauenfußballmannschaft hat, die derzeit in der Wiener Liga um den Meistertitel mitspielt. Meine Töchter Margarita und Lucia haben bis vor kurzem regelmäßig in dieser Mannschaft gespielt, und für mich war es bisher eine willkommene sonntägliche Abwechslung, ihre Mannschaft beim Spiel anzufeuern.

Die Tatsache, dass Graf "Präsident" dieses Vereins ist, war vorerst Nebensache, denn es ging vorrangig um Fußball - bis zu jenem Tag im September, als ausgerechnet zur gleichen Zeit, als das Frauenteam trainierte, auf dem Vereinsgelände eine FPÖ-Wahlkundgebung stattfand. Margarita, Lucia und Irene Müller brachen aus Protest das Training ab.

Keine schriftliche Bestätigung

Am 27. 10. nehmen meine Töchter an einer Kundgebung gegen die Wahl Grafs zum Dritten Nationalratspräsidenten vor dem Parlament teil, gleich danach fahren sie zum Training. Dort erscheint der Obmann des Vereins und teilt Margarita, Lucia und Irene mit, dass sie aus dem Verein ausgeschlossen seien. (Frau Graf hat bei der Kundgebung mitgeschrieben und offensichtlich gute Arbeit geleistet.) Eine schriftliche Bestätigung dieses Ausschlusses gibt es bis heute nicht.

Am 2. 11. ist ein Heimmatch gegen Paulaner Wieden. Vor dem Match fragt Margarita den anwesenden Graf nach den Gründen des Ausschlusses. Dieser weicht mit dem "Argument" aus, dass es sich um einen Beschluss des Vorstandes handelt, mit dem er nichts zu tun habe.

Zwei Polizeiautos

Beim Anpfiff halten eine Gruppe von Frauen und VertreterInnen der sozialistischen Linkspartei A-3 Plakate in die Höhe mit dem Text "Zeigt Graf die rote Karte - lasst Margarita, Lucia und Irene spielen". Kurze Zeit später sind zwei Polizeiautos da und nehmen den Sachverhalt auf.

Meine Feststellungen abseits der üblichen Polarisierungen zwischen "links" und "rechts":

1. Der "Präsident" reagiert auf Kritik sofort mit Ausschluss. Und wenn er nach den Motiven gefragt wird, will er die Beschlüsse des Vorstandes nicht kommentieren. Kein Wunder, hat er doch laut Vereinsregister keine operative Verantwortlichkeit im Vorstand - eine tolle Sache, da muss man für nichts geradestehen, wenn es eng wird -, ein toller formeller Freibrief für die eigene Feigheit.

2. Wenn auf dem Gelände von Hellas Kagran Leute zu jemanden stehen, der dem "Präsidenten" nicht in den Kram passt, wird die Polizei geholt. Der gesetzlichen Gewalt vertraut er mehr als der Kraft des eigenen Arguments - ein Ausdruck von Stärke oder Schwäche?

3. Schaut auf diesen Mann - er ist Dritter Präsident des Nationalrates. (Mag. theol. Hans Döller, Vater von Margarita und Lucia, DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2008)

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