Kein Calatrava, keine Kunst

3. November 2008, 18:42
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Bau der Wiener Brücke scheiterte nicht nur an Baukosten, sondern auch an der Titulierung als Kunstwerk

Wien - Offiziellen Angaben zufolge scheiterte der Bau der Fußgängerbrücke am Wienerberg daran, dass sich der spanische Architekt Santiago Calatrava an keine Obergrenze bei den Kosten eingelassen habe. Über genaue Beträge wolle man jedoch nicht sprechen, heißt es aus dem Ressort von Planungsstadtrat Rudolf Schicker - auch wenn es sich dabei um ein öffentliches Projekt handle.

Auf Anfrage des Standard konnte zumindest ein bestimmter Kostenbereich abgesteckt werden. "Unsere Schätzungen lagen im deutlich einstelligen Bereich", erklärt Kurt Wurscher von der MA 29 (Brückenbau und Grundbau), "Calatrava selbst hielt sich im zweistelligen Millionenbereich auf. Und da ist die Bandbreite sehr groß ist." Zum Vergleich: Die Fußgängerbrücke Skywalk in Wien-Spittelau (Architekten Bulant & Wailzer) kostete 2,3 Millionen Euro.

Zu Fall gebracht

Ein weiterer Faktor brachte das Projekt zu Fall. Um einen Wettbewerb zu umgehen, wurden sämtliche Hebel und Rechtsgutachten in Kraft gesetzt, um die Brücke als Kunstwerk durchzuboxen. Nur so hätte man das Projekt direkt beauftragen können. Diesen Umstand machte sich Calatrava zunutze. "Nachdem die Brücke als Kunstwerk tituliert war, wären sämtliche Werknutzungsrechte bei Calatrava gelegen", so Wurscher. Der Architekt habe ein Mitspracherecht für Betreuung und Erhaltung des Steges gewollt. "Selbst eine Erneuerung des Bodenbelags wäre in Zukunft nur in Absprache mit Calatrava möglich gewesen."

Heftige Kritik kommt aus der Opposition. "Eine Blamage", sagt VP-Planungssprecher Alfred Hoch. Und Sabine Gretner von den Grünen meint: "Eine Brücke als Kunstwerk zu bezeichnen war von Anfang an den Haaren herbeigezogen. Offensichtlich hat sich die Stadt Wien hier selbst ein Haxl gestellt." (Wojciech Czaja/DER STANDARD-Printausgabe, 04.11.2008)

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