Auf der Suche nach den Millionen

3. November 2008, 18:39
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Die neuen Constantia Privatbank-Eigentümer­innen wollen Aufklärung über die Geldflüsse zwischen Immofinanz und Constantia. Zwei AUA- Mitarbeiter wechseln zum Immofinanz-Konzern

Wien - Der Exchef von Constantia Privatbank, Immofinanz und Immoeast, Karl Petrikovics, der über alle Zahlungsströme zwischen der Immofinanz-Gruppe und der Constantia Privatbank (CPB) Bescheid wusste, schweigt dazu beharrlich. Rede und Antwort stehe er derzeit nur den zuständigen Behörden, ließ sein Medienbetreuer wissen. Petrikovics soll, so wird vermutet, als damaliger Chef der CPB veranlasst haben, dass die 900 Mio. Euro aus der Immoeast-Kapitalerhöhung über die Immofinanz Beteiligungs AG (Ibag) an drei CPB-Gesellschaften flossen.

Rechtlichen Beistand brauchen derzeit alle Beteiligten. Man sei gespannt, welche Einsprüche die Constantia Packaging B.V (Mehrheitseigentümerin der börsennotierten Constantia Packaging AG) in den Niederlanden erheben wird, um ihre Haftungen gegenüber der Immoeast und Investor Rudolf Fries zu lösen, heißt es.

Wie berichtet haftet die B.V. für die noch ausstehenden 520 Mio. Euro aus der ominösen Anleihe gegenüber der Immoeast. Ferner hat Fries gegenüber der B.V. eine Verkaufsoption. Er kann ab 2010 seine knapp zehn Prozent an der Immofinanz um sieben Euro je Aktie (derzeit notieren die Aktien unter einem Euro) an die B.V. verkaufen. Das ist in etwa jener Kurs, den die Immofinanz-Aktie Anfang März 2008 hatte, als Fries einstieg.

Fusion

Fries kaufte damals nicht die Immofinanzaktien, sondern fusionierte drei Gesellschaften, in denen sich die Aktien befanden, mit seiner eigenen. Dadurch hatte die CPB (in deren Besitz die drei Gesellschaften waren) keinen Abwertungsbedarf. Offenbar handelt es sich um die CPB Finanzierungsberatungs GmbH, CPB Broadband GmbH und S&I Immobilienvermietungs GesmbH. Fries war für den Standard nicht erreichbar.

Der künftige Chef der CPB, der frühere Vorstand der Finanzmarktaufsicht, Andreas Grünbichler, wird voraussichtlich heute Dienstag seinen Vertrag unterschreiben und dann umgehend seinen Job antreten. Die Banken erwarten sich aus der wirtschaftlich und rechtlichen Due Diligence Prüfung rasch Aufklärung über die Geschehnisse in der Bank und der Immobilien-Gruppe. Neuer Aufsichtsratschef der CPB ist Ex-KPMG-Wirtschaftsprüfer Walter Knirsch.

Personelle Unterstützung holt sich auch der neue Chef der Immofinanz-Gruppe, Thomas Kleibl. Dem Vernehmen nach wechseln der Generalsekretär der AUA und die Investor-Relation-Verantwortliche der Airline, Clemens Spitznagel und Prisca Havranek-Kosicek in Kleibls Team. Kleibl war zuletzt Finanzvorstand der AUA.

Gegen die geplante Fusion von Immoeast und Immofinanz wehren sich jetzt die Kleinanleger. In einem Brief an Kleibl heißt es, dass eine Fusion "ausschließlich zum Vorteil der Immofinanz AG" wäre und "die Aktionäre der Immoeast AG krass benachteiligt" würden. Es wird darauf verwiesen, "dass die Immoeast aufgrund des der Immofinanz gewährten Darlehens in Höhe von rund 1,8 Mrd. Euro die Immofinanz nach derzeitigen Börsenkursen circa viermal kaufen kann". Kleibl wird in dem Schreiben aufgefordert, diesbezügliche Pläne zu stoppen. Außerdem fordern die Anleger Kleibl auf, "sämtliche Zahlungen an die Constantia Privatbank AG" zu stoppen. (cr, gra, bpf, DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2008)

  • Die Constantia Privatbank wird von allen Seiten
durchleuchtet. Die Banken erhoffen sich Klarheit über die Geldflüsse
zwischen der Immofinanz-Gruppe und der Bank.
    foto: christian fischer

    Die Constantia Privatbank wird von allen Seiten durchleuchtet. Die Banken erhoffen sich Klarheit über die Geldflüsse zwischen der Immofinanz-Gruppe und der Bank.

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